|
Lebensweise
Grizzlybären
kommen nur in Alaska, Kanada und Nordamerika vor. Sie sind eine Unterart
des weit verbreiteten Braunbären. In abgeschiedenen Berggebieten und
dichten Wäldern seiner Heimat führt der Grizzly ein fast
einzelgängerisches Leben.

In seinem natürlichen Lebensraum ist der Grizzly "König", denn er kennt
keine Feinde. Er besitzt kein eigentliches Territorium, duldet andere
Grizzlys und kämpft nur selten mit anderen Tieren. Kommt es doch einmal
zum Kampf - während der Paarungszeit oder wenn ein Muttertier seine Jungen
verteidigen muss -, dann behält der Bär meistens die Oberhand.
Frühling und Sommer verbringen Grizzlybären in der Regel mit der
Nahrungssuche, mit Ausruhen und Schlafen. Im Herbst fressen sie große
Mengen, um Speck für die Winterruhe anzusetzen. Der Grizzly hält jedoch
keinen echten Winterschlaf, sondern verfällt bei kaltem Wetter in eine Art
Halbschlaf mit nur leicht herabgesetzter Körpertemperatur. An sonnigen
Tagen wacht er auf und macht sich auf die suche nach Nahrung.
Einige Bären bedienen sich natürlicher Unterschlupfe, zum Beispiel
Felsspalten, aber in der Regel graben sie sich im Herbst eigene Höhlen.
Die meisten Grizzlys beziehen ihre Höhle, wenn der Boden dick mit Schnee
bedeckt ist. Außer in Zeiten wärmeren Wetters bleiben sie dort bis zum
Frühling. In der Regel kommen Männchen und diejenigen Weibchen, die keine
Nachkommenschaft haben, als erste wieder heraus, aber der genaue Zeitpunkt
hängt vom Wetter und den individuellen Gewohnheiten der Bären ab. Ihr
erster Gedanke nach dem Auftauchen aus dem Bau ist Fressen.
Fortpflanzung
Die
Paarungszeit der Grizzlybären ist der Juni. Die Männchen "werben" um die
Weibchen, indem sie leise Grunzer von sich geben und ihr Hinterteil und
ihren Hals beknabbern. Die Tragzeit beträgt 180 bis 250 Tage, folglich
findet die Geburt im Winter in der Höhle statt.
Die 20 cm langen Jungen werden blind, zahnlos und fast unbehaart geboren
und wiegen zwischen 450 und 700 Gramm. In der Regel bringt die Bärin zwei
Junge zur Welt. Während der ersten Monate bleiben sie in der Höhle,
trinken die Milch der Mutter und bleiben durch deren Körperwärme vor der
Kälte geschützt. Im April oder Mai verlassen sie zusammen mit ihrer Mutter
die Höhle. Sie füttert ihre Jungen nicht mit von ihr beschaffter Nahrung,
sondern lehrt sie stattdessen, selbst auf die Jagd zu gehen.

Trotz ihrer
ständigen Wachsamkeit werden viele junge Bären Opfer von Angriffen
erwachsener Bären. Den ersten Winter nach ihrer Geburt verbringen die
Jungen zusammen mit ihrer Mutter in der Höhle. Grizzlybären können bis zu
30 Jahre alt werden. Ein ausgewachsener Bär kann im Stehen bis zu zwei
Meter groß werden. |
Grizzlys
werden 150 bis 350 Kilo schwer.

Nahrung und Jagd
Trotz seines
Rufs, ein Fleischfresser zu sein, gibt sich der Grizzlybär mit einer
Beeren- und Früchtemahlzeit genauso zufrieden wie mit einer
Fleischmahlzeit.

Obwohl er zur
Ordnung der Raubtiere gezählt wird, ist er eigentlich wie die meisten
anderen Braunbären ein Allesfresser, der keine Kost verschmäht. Sogar
seine Zähne haben sich im Laufe der Jahrhunderte an seine
abwechslungsreiche Nahrung angepasst.
Der Grizzlybär frisst Früchte, Nüsse, Algen, Wurzeln und tierische Nahrung
wie Insekten, Nagetiere, Fische und Aas. Wie alle Bären besitzt er einen
hoch entwickelten Geruchssinn und kann Tierkadaver aus bis zu 28 Kilometer
Entfernung riechen. Grizzlybären jagen große Tiere, zum Beispiel Karibus,
wobei sie ein junges, geschwächtes oder verwundetes Tier aussuchen. Eine
Beute von dieser Größe reicht einer Bärin und ihren Jungen vier oder fünf
Tage lang. Obwohl der Grizzly recht plump aussieht, kann er auf einer
Strecke von 50 bis 100 Meter die Geschwindigkeit eines galoppierenden
Pferdes erreichen. Damit kann er in den meisten Fällen ein flüchtendes
Tier einholen. Zum Erlegen der Beute benutzt der Bär seine Zähne und seine
Tatzen. Diese sind breit und flach. Die Klauen lassen sich nicht
einziehen. Außer zum Laufen dienen sie zum Fischfang und eben auch als
Waffe. Ein Hieb von ihnen kann ein anderes Tier von gleicher Größe töten.
Zwischen den Mahlzeiten versteckt die Mutter den Kadaver, damit andere
Bären und Aasfresser ihn nicht finden können.
Nahe Verwandte der Grizzlys, die im Küstenbereich lebenden Kodiakbären,
sind geschickte Fischer. Sie entfalten unterschiedliche "Angel"-Techniken,
wobei jeder Bär seinen eigenen Stil entwickelt.

Manchmal
steht der Bär nahe am Ufer und wirft den Lachs mit seiner Tatze aufs
Trockene, oder er sitzt ruhig auf einem Felsen am tiefen Wasser und wartet
auf vorbeischwimmende Fische. Bei Gelegenheit fangen auch Grizzlys Lachse. |