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Alltag auf
der Burg
Das Leben auf einer Burg war weit weniger romantisch, als wir es aus
Ritterfilmen kennen. Die wenigen Kamine heizten nur unvollkommen die
Räume, durch die an regnerischen und
stürmischen Tagen der Wind pfiff.
Überall gab es Ratten und anderes Ungeziefer.
Als Beleuchtung gab es nur Fackeln und den Kamin. Fackeln wurden aber so
selten wie möglich verwendet, um den Ausbruch eines Feuers zu verhindern.
Alle Burgbewohner, auch die Familie des Burgherrn, arbeiteten von früh bis
spät. Es gab wenig Freizeit und noch weniger Abwechslung.
Der Tagesablauf richtete sich ganz nach der Natur. Die Burgbewohner ließen
sich vom ersten Vogelgezwitscher oder Hahnenschrei wecken, und der Tag
dauerte, bis die Dunkelheit das Arbeiten unmöglich machte.
Um die Hygiene der Burgbewohner war es nicht sehr gut
bestellt. Anders als wir heute wusch man sich auf einer Burg nicht
regelmäßig. Dazu war auch das Wasser viel zu kostbar. Immerhin wuschen
sich die meisten vorm Essen die schmutzigen Hände.
Baden war eine Angelegenheit der Familie des Burgherrn. Nur sie konnte
sich das teure Vergnügen leisten, mit kostbarem Feuerholz Wasser zu
erhitzen.
Allerdings stiegen dann gleich alle nacheinander in das gleiche Wasser.
Ein weit verbreitetes Übel waren wegen dieser Zustände Läuse und Flöhe.
Regelmäßig wurde entlaust, meist jedoch erfolglos.

Die Toiletten befanden sich meist in Erkern an der Außenmauer und waren
nichts Anderes als eine Steinplatte mit einem runden Loch. Die
Ausscheidungen fielen einfach in den Burggraben, der deshalb immer
fürchterlich stank.

Die Bewohner einer Burg
Auf einer mittleren Burg mit einem Palas (Wohngebäude) und einer Ringmauer lebten etwa
60 bis 80 Menschen. Davon gehörte ein gutes Dutzend allein zur Familie des
Burgherrn, die meisten von ihnen Kinder und unverheiratete Verwandte.
Dazu kamen etwa zehn Kriegsknechte, die auf den Mauern Wache hielten.
Die Hauptarbeit auf den burgeigenen Feldern, Weinbergen und Wäldern
versahen die Knechte. Ihre Frauen dienten der Burgherrin als Mägde. Pagen
(Jungen aus anderen Ritterfamilien)
dienten ebenfalls der Burgherrin.
Daneben gab es noch einige Handwerker, die die ständig anfallenden
Reparaturen ausführten.
Weiters gab es einen Schmied, dessen Hauptaufgabe das Beschlagen der
Pferde und das Reparieren der Waffen war.
Für das seelische Wohl sorgte der Burgkaplan, der meist zugleich Pfarrer
der umliegenden Dörfer war.

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Der Burgherr und seine Untertanen
Die Bauern arbeiteten auf den Ländereien des Herrn. Jede Familie erhielt
von ihm
einen Wohnplatz und dazu etwas Land, das sie selbst bewirtschaften
durfte. Die Burg bot dafür Schutz, wenn Räuberbanden das Land heimsuchten,
was in diesen Zeiten nicht selten vorkam.
Die Bauern mahlten ihr Getreide in der Burgmühle, sie backten ihr Brot im
Backofen der Burg, und auch ihren Wein kelterten sie in der Burg.
Für den Schutz durch die Burg zahlten die Bauern mit wirtschaftlicher
Abhängigkeit. Das heißt, die Bauern mussten Abgaben an den Herrn leisten.
Jedes Jahr brachten sie ihm einen Teil ihrer Ernte und einige Tiere aus
ihrer Herde. Ohne dafür bezahlt zu werden, mussten sie Gräben, Straßen und
Mauern ausbessern und in den Wäldern Holz fällen.
Reisende mussten für die Benützung der Straßen und Brücken an den
Burgherrn Wegzoll bezahlen.
Der Burgherr war auch Gerichtsherr und damit Herr über Leben und Tod
seiner Untertanen. Die Strafen waren oft hart und grausam.
Die
Burgherrin
Die Burgherrin leitete den Haushalt und überwachte die Arbeiten auf den
Ländereien, wenn der Burgherr unterwegs war. Sie trug dafür Sorge, dass
immer genügend Vorräte vorhanden waren. Sie kannte sich mit Heilkräutern
aus, die bei Krankheiten halfen. An den Jagdgesellschaften nahm sie teil
und wohnte auch den Turnieren bei.
Die Herrin beherrschte die noch wenig verbreiteten Künste des Lesens und
des Rechnens und erzog ihre Töchter ebenso. Da das von den Söhnen nicht
unbedingt erwartet wurde, waren die Frauen in der damaligen Zeit in der
Regel gebildeter als die Männer.
Im Winter kümmerte sich die Burgherrin auch um die Herstellung warmer
Kleidung.

Kinder aus Ritterfamilien
Neugeborene wurden nicht von der Mutter selbst versorgt. Es ziemte sich
nicht, die eigenen Kinder selbst zu stillen. Dafür gab es eine Amme, und
zahlreiche Diene rinnen umsorgten das Baby.
Ein Junge verließ mit sieben Jahren seine Mutter. Er wurde Page in einer
benachbarten Burg und diente der dortigen Herrin. Mit vierzehn Jahren
wurde er Knappe eines Ritters. Mit 21 Jahren wurde er zum Ritter
geschlagen.
Mädchen wurden auf der heimatlichen Burg hauptsächlich
von der Mutter erzogen und unterrichtet. Sie lernten weben, nähen
und sticken, aber auch reiten, mit Falken jagen, tanzen, singen und auch
lesen und schreiben und rechnen. Sie wurden schon sehr früh einem jungen
Mann versprochen. Mit 15 Jahren wurden sie verheiratet.
 
Schulen wie heute gab es nur im Kloster. Dorthin wurden die Söhne und
Töchter von Burgherrn aber nur geschickt, wenn sie Mönche oder Nonnen
werden sollten. |