Teil 1

 

In zahlreichen Ritterfilmen und -geschichten wird uns über das Leben im Mittelalter berichtet. Doch wie war die damalige Zeit wirklich? Wie haben die Menschen gelebt? Wäre es wirklich so toll und spannend, einmal auf einer mittelalterlichen Burg zu leben?
In drei Teilen erfährst du viel Spannendes und Interessantes über diese Zeit.
 

Die Geschichte der Burg

Die meisten Burgen wurden zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert gebaut, als Fürsten fast ständig miteinander Krieg führten, um immer mehr Reichtümer und Ländereien zu gewinnen. In diesen Jahrhunderten entstanden in ganz Europa und im Nahen Osten Burgen. Sie wurden zum Schutz vor Angriffen aller Art gebaut.
Auf der Burg lebte der Burgherr. Zu ihm flüchteten sich die Bewohner der umliegenden Dörfer, wenn ihnen Gefahr drohte - zum Beispiel durch plündernde Räuber.


Das Feudalsystem

Das Feudalsystem (die gesellschaftlichen Stände) war wie eine Pyramide aufgebaut. An der Spitze standen die Adligen und Ritter, der “erste Stand”, der das Land mit der Waffe in der Hand verteidigte. Zu diesem Stand gehörten nur wenige.
Der “zweite Stand” waren die Geistlichen mit dem Papst an der Spitze. Sie sollten für das Wohl des Landes beten, für die religiöse Erziehung und für die Armen sorgen.
Der “dritte Stand” ganz unten in der Ständepyramide waren die Bauern und Handwerker. Sie machten einen Großteil der Bevölkerung aus und hatten kaum Rechte. So durften sie zum Beispiel nicht ohne Erlaubnis ihres Herrn heiraten oder wegziehen.
Eigentümer von Burgen waren ausschließlich Mitglieder des ersten Standes. Je prächtiger die Burg, umso höher das Ansehen bei den Standesgenossen!
 

Burgen sind mächtige Bauwerke

Anfangs bestanden Burgen nur aus einfachen Holztürmen, so genannten “Motten”, die oft auf künstlich aufgeschütteten Hügeln errichtet wurden. Am Fuße dieses Hügels gab es häufig einige Nebengebäude wie Stallungen und Wirtschaftsgebäude. Alles war von einem Palisadenzaun umgeben.

Der Schwachpunkt dieser Motten war, dass sie Rammböcken und Steinschleudern nicht lange standhielten und leicht Feuer fingen.
Ab dem 12. Jahrhundert baute man deshalb die Burgen aus Stein. Manchmal waren ihre Mauern acht Meter dick. Im 15. Jahrhundert wurden aus den Burgen wahre Paläste.
Weil Burgen vor allem zur Abwehr von Angreifern dienten, hielten die Bauherren nach einem Gelände Ausschau, das möglichst viel natürlichen Schutz bot.
Lebenswichtig bei der Auswahl des Platzes war die Wasserversorgung. Eine tiefe Quelle, die in Dürrezeiten nicht versiegte und auch von anderswo nicht zugänglich war, damit eine Belagerung überstanden werden konnte, war Voraussetzung.
Burgen wurden meistens auf Anhöhen errichtet, von denen aus man das Umland überblicken konnte, und die möglichst steil waren, damit die Burg uneinnehmbarer wurde.
Es gab aber auch Wasserburgen, die in Teichen lagen oder durch breite Wassergräben geschützt wurden.


Bau einer Burg

War der beste Standort für den Bau einer Burg gefunden, musste der Burgherr zunächst die Einwilligung seines Lehnsherrn (Könige, Fürsten, Landesherren) einholen. Danach nahm der Bauherr einen Baumeister in seine Dienste, der für die Planung der Bauarbeiten sowie für deren Beaufsichtigung zuständig sein sollte. Einen richtigen Plan, wie ihn heutige Architekten zeichnen, gab es aber nicht. Weil der Baumeister als einziger den Bauplan im Kopf hatte, war er unkündbar, und es war eine Katastrophe, wenn er während der Bauzeit, die oft sehr viele Jahre in Anspruch nahm, verstarb.
Die Jahre - oft Jahrzehnte - des Burgenbaus waren für alle Bauernfamilien der Umgebung eine große Belastung, weil sie ohne Entgelt mitarbeiten mussten. Als Entlohnung erhielten sie nur das Versprechen, dass sie in der Burg nach deren Fertigstellung stets Schutz finden würden.
Die Mauern der Burg waren am Boden oft bis zu zwei Meter, die der Wohntürme manchmal sogar bis zu vier Meter dick. Nach oben hin nahm die Mauerstärke allerdings ab, weil dort keine Rammböcke oder andere Mauerbrecher zu befürchten waren.
Die Steinblöcke für die Mauern wurden selbst in jeder gewünschten Form hergestellt.

Eine Mauer bestand aus zwei bis drei Schichten. Die Zwischenräume zwischen den Schichten wurden mit Geröll und Mörtel ausgefüllt.

Schließlich wurden zwischen den Stockwerken Böden eingezogen und Dächer gebaut.
In den Anfangszeiten wurden sie mit Schilf und Stroh gedeckt, später mit Ziegeln. Wer es sich leisten konnte, nahm sogar Bleiplatten, um sich so gut wie möglich gegen Feuerpfeile zu schützen.


Alltag auf der Burg

Die mächtigen Burgherren herrschten über weite Gebiete; alle Bewohner mussten ihren Befehlen gehorchen. Oft besaßen die Herren mehrere Burgen - und die des Königs waren nicht immer die größten!
Ein tiefer, mit Wasser gefüllter Graben verwehrte dem Besucher den Zutritt. Die Zugbrücke wurde herab gelassen und das schwere Fallgitter hochgezogen - jetzt konnte man in die Burg gelangen.

Auf dem Wehrgang hielt ein Posten hinter der zinnenbewehrten Brüstung Wache.
In den dicken Mauern befanden sich kleine Öffnungen: die Schießscharten. Hinter ihnen verbargen sich Bogenschützen, wenn die Burg von Feinden angegriffen wurde.
Innerhalb des Mauerrings herrschte ein reges Kommen und Gehen. Bedienstete, Handwerker und Mönche bevölkerten den Platz. Schweine, Hühner und Hunde liefen frei herum.
Zu Beginn des Mittelalters waren die meisten Burgen enge, von einer Ringmauer umgebene Wohntürme. Im Hochmittelalter gingen die Burgherren dazu über, statt dessen ein geräumiges, mehrgeschossiges Wohngebäude, den “Palas” zur errichten.
In Bodennähe gab es zur Sicherheit weder Türen noch Fenster. Auf dieser Ebene befanden sich der Weinkeller, das Vorratslager und auch die Gefängnisse.
Zur Eingangstür im ersten Obergeschoss führte eine Holztreppe.

Durch einen kleinen Vorraum gelangte man in die Große Halle, auch Rittersaal genannt. In einem offenen Kamin brannte ein wärmendes Feuer. Diese Halle war der größte Raum und diente gleichzeitig als Empfangs- und Speiseraum für Gäste und Burgbewohner.
In einer oder mehreren Etagen über dem Rittersaal befanden sich die Schlafräume. Die Wohn- und Schlafräume der Familie des Burgherrn lagen in den Geschossen über dem Rittersaal. Häufig gab es dort nur einen einzigen beheizbaren Raum, die “Kemenate“ (Kaminzimmer), in der es einen Ofen gab, der die Wärme besser speicherte als ein Kamin. In der kalten Jahreszeit war die Kemenate deshalb oft der bevorzugte Raum der Familie.
In den Schlafräumen gab es Holztruhen zur Aufbewahrung von Kleidern, auf denen man auch sitzen konnte, da es sonst nur wenige Möbelstücke gab.
Das Bett - sofern überhaupt vorhanden - war das wichtigste und teuerste Möbelstück. Es hatte ein hohes Gestell, von dem schwere Stoffbahnen herunterhingen. Weil es überall zog und pfiff, konnten der Burgherr und seine Familie hier geschützt schlafen.

In einem Bett schliefen oft bis zu sechs Personen - vor allem die Kinder schliefen zusammen.


 

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 Inhalte von Eva Hensely
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