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Die Geschichte der Burg
Die meisten Burgen wurden zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert gebaut,
als Fürsten fast ständig miteinander Krieg führten, um immer mehr
Reichtümer und Ländereien zu gewinnen. In diesen Jahrhunderten entstanden
in ganz Europa und im Nahen Osten Burgen. Sie wurden zum Schutz vor
Angriffen aller Art gebaut.
Auf der Burg lebte der Burgherr. Zu ihm flüchteten sich die Bewohner der
umliegenden Dörfer, wenn ihnen Gefahr drohte - zum Beispiel durch
plündernde Räuber.

Das Feudalsystem
Das Feudalsystem (die gesellschaftlichen Stände)
war wie eine Pyramide aufg ebaut. An der Spitze standen die Adligen und
Ritter, der “erste Stand”, der das Land mit der Waffe in der Hand
verteidigte. Zu diesem Stand gehörten nur wenige.
Der “zweite Stand” waren die Geistlichen mit dem Papst an der Spitze. Sie
sollten für das Wohl des Landes beten, für die religiöse Erziehung und für
die Armen sorgen.
Der “dritte Stand” ganz unten in der Ständepyramide waren die Bauern und
Handwerker. Sie machten einen Großteil der Bevölkerung aus und hatten kaum
Rechte. So durften sie zum Beispiel nicht ohne Erlaubnis ihres Herrn
heiraten oder wegziehen.
Eigentümer von Burgen waren ausschließlich Mitglieder des ersten Standes.
Je prächtiger die Burg, umso höher das Ansehen bei den Standesgenossen!
Burgen sind mächtige Bauwerke
Anfangs bestanden Burgen nur aus einfachen Holztürmen,
so genannten “Motten”, die oft auf künstlich aufgeschütteten Hügeln
errichtet wurden. Am Fuße dieses Hügels gab es häufig einige Nebengebäude
wie Stallungen und Wirtschaftsgebäude. Alles war von einem Palisadenzaun
umgeben.

Der Schwachpunkt dieser Motten war, dass sie Rammböcken und
Steinschleudern nicht lange standhielten und leicht Feuer fingen.
Ab dem 12. Jahrhundert baute man deshalb die Burgen aus Stein. Manchmal
waren ihre Mauern acht Meter dick. Im 15. Jahrhundert wurden aus den
Burgen wahre Paläste.
Weil Burgen vor allem zur Abwehr von Angreifern dienten, hielten die
Bauherren nach einem Gelände Ausschau, das möglichst viel natürlichen
Schutz bot.
Lebenswichtig bei der Auswahl des Platzes war die Wasserversorgung. Eine
tiefe Quelle, die in Dürrezeiten nicht versiegte und auch von anderswo
nicht zugänglich war, damit eine Belagerung überstanden werden konnte, war
Voraussetzung.
Burgen wurden meistens auf Anhöhen errichtet, von denen aus man das Umland
überblicken konnte, und die möglichst steil waren, damit die Burg
uneinnehmbarer wurde.
Es gab aber auch Wasserburgen, die in Teichen lagen oder durch breite
Wassergräben geschützt wurden.

Bau einer Burg
War der beste Standort für den Bau einer Burg gefunden,
musste der Burgherr zunächst die Einwilligung seines Lehnsherrn (Könige,
Fürsten, Landesherren) einholen. Danach nahm der Bauherr einen Baumeister
in seine Dienste, der für die Planung der Bauarbeiten sowie für deren
Beaufsichtigung zuständig sein sollte. Einen richtigen Plan, wie ihn
heutige Architekten zeichnen, gab es aber nicht. Weil der Baumeister als
einziger den Bauplan im Kopf hatte, war er unkündbar, und es war eine
Katastrophe, wenn er während der Bauzeit, die oft sehr viele Jahre in
Anspruch nahm, verstarb.
Die Jahre - oft Jahrzehnte - des Burgenbaus waren für alle Bauernfamilien
der Umgebung eine große Belastung, weil sie ohne Entgelt mitarbeiten
mussten. Als Entlohnung erhielten sie nur das Versprechen, dass sie in der
Burg nach deren Fertigstellung stets Schutz finden würden.
Die Mauern der Burg waren am Boden oft bis zu zwei Meter, die der
Wohntürme manchmal sogar bis zu vier Meter dick.
Nach oben hin nahm die Mauerstärke allerdings ab, weil dort keine
Rammböcke oder andere Mauerbrecher zu befürchten waren.
Die Steinblöcke für die Mauern wurden selbst in jeder gewünschten Form
hergestellt. |
Eine Mauer bestand aus zwei bis drei Schichten. Die Zwischenräume zwischen
den Schichten wurden mit Geröll und Mörtel ausgefüllt.

Schließlich wurden zwischen den Stockwerken Böden eingezogen und Dächer
gebaut.
In den Anfangszeiten wurden sie mit Schilf und Stroh gedeckt, später mit
Ziegeln. Wer es sich leisten konnte, nahm sogar Bleiplatten, um sich so
gut wie möglich gegen Feuerpfeile zu schützen.
Alltag auf der Burg
Die mächtigen Burgherren herrschten über weite Gebiete; alle Bewohner
mussten ihren Befehlen gehorchen. Oft besaßen die Herren mehrere Burgen -
und die des Königs waren nicht immer die größten!
Ein tiefer, mit Wasser gefüllter Graben verwehrte dem Besucher den
Zutritt. Die Zugbrücke wurde herab gelassen und das schwere Fallgitter
hochgezogen - jetzt konnte man in die Burg gelangen.
 Auf dem Wehrgang hielt ein Posten hinter der zinnenbewehrten Brüstung
Wache.
In den dicken Mauern befanden sich kleine Öffnungen: die Schießscharten.
Hinter ihnen verbargen sich Bogenschützen, wenn die Burg von Feinden
angegriffen wurde.
Innerhalb des Mauerrings herrschte ein reges Kommen und Gehen.
Bedienstete, Handwerker und Mönche bevölkerten den Platz. Schweine, Hühner
und Hunde liefen frei herum.
Zu Beginn des Mittelalters waren die meisten Burgen enge, von einer
Ringmauer umgebene Wohntürme. Im Hochmittelalter gingen die Burgherren
dazu über, statt dessen ein geräumiges, mehrgeschossiges Wohngebäude, den
“Palas” zur errichten.
In Bodennähe gab es zur Sicherheit weder Türen noch Fenster. Auf dieser
Ebene befanden sich der Weinkeller, das
Vorratslager und auch die Gefängnisse.
Zur Eingangstür im ersten Obergeschoss führte eine Holztreppe.
 Durch einen kleinen Vorraum gelangte man in die Große Halle, auch
Rittersaal genannt. In einem offenen Kamin brannte ein wärmendes Feuer.
Diese Halle war der größte Raum und diente gleichzeitig als Empfangs- und
Speiseraum für Gäste und Burgbewohner.
In einer oder mehreren Etagen über dem Rittersaal befanden sich die
Schlafräume. Die Wohn- und Schlafräume der Familie des
Burgherrn lagen in den Geschossen über dem Rittersaal. Häufig gab es dort
nur einen einzigen beheizbaren Raum, die “Kemenate“ (Kaminzimmer), in der
es einen Ofen gab, der die Wärme besser speicherte als ein Kamin. In der
kalten Jahreszeit war die Kemenate deshalb oft der bevorzugte Raum der
Familie.
In den Schlafräumen gab es Holztruhen zur Aufbewahrung von Kleidern, auf
denen man auch sitzen konnte, da es sonst nur wenige Möbelstücke gab.
Das Bett - sofern überhaupt vorhanden - war das wichtigste und teuerste
Möbelstück. Es hatte ein hohes Gestell, von dem schwere Stoffbahnen
herunterhingen. Weil es überall zog und pfiff, konnten der Burgherr und
seine Familie hier geschützt schlafen.
 In einem Bett schliefen oft bis zu sechs Personen - vor allem die Kinder
schliefen zusammen. |