Warum Tiere

halten
 

Der Winterschlaf ist mehr als nur eine angenehme Methode, die kalte Jahreszeit zu überstehen. Für Tiere wie den Igel oder die Haselmaus ist er die einzige Möglichkeit, dem Hungertod zu entgehen.
 

Was bedeutet Winterschlaf?


Igel und Haselmaus

Kleine, warmblütige Säugetiere wie Erdhörnchen und Murmeltiere halten während der Sommermonate ihre Körpertemperatur unabhängig von der Lufttemperatur bei etwa 37°C. Herzschlag und Atemfrequenz liegen normalerweise bei rund 90 Schlägen und 15 Atemzügen pro Minute.
Bei Einbruch des Winters, wenn die Außentemperaturen auf unter 15°C sinken, rollt sich das Murmeltier ein und fällt in einen Tiefschlaf.
Der Winterschlaf ist jedoch ein besonders geregelter Zustand, in dem das Tier zumindest eine gewisse Kontrolle über seine Körpertemperatur behält. Auf diese Weise wacht es regelmäßig auf, um sich zu entleeren, oder in Notsituationen, zum Beispiel, wenn das Nest überflutet zu werden droht.
Während des Winterschlafs kühlt das Murmeltier bis auf knapp über 0°C ab - was für Tiere, die keinen Winterschlaf halten, den Tod bedeuten würde. Es atmet nur noch zweimal in der Minute, sein Herz schlägt nur alle zwölf Sekunden und bleibt manchmal bis zu einer Minute lang stehen.

Warum Winterschlaf?

Während der Wintermonate setzt bei den meisten Pflanzen das Wachstum aus. Bestimmte Tiere verfallen in einen Starrezustand, wie zum Beispiel Insekten, Schlangen, Schildkröten, ...
Vögel und Säugetiere können so nicht auf die Kälte reagieren. Zwar können einige von ihnen sogar in der Eiswüste der Antarktis überleben, aber sie alle müssen ihre Körpertemperatur innerhalb sehr enger Grenzen konstant (das heißt immer möglichst gleich hoch) halten, sonst bedeutet das praktisch ihren sicheren Tod.
Für die meisten Tiere ist es schwierig, warm zu bleiben, und zwar weil die Körpertemperatur der Vögel und Säugetiere fast immer höher ist als die der sie umgebenden Luft. Eine solche Körpertemperatur können sie nur durch ständige Nahrungsaufnahme einhalten, und Nahrung ist im Winter rar. Viele Vogelarten - die Zugvögel - lösen das Problem, indem sie im Herbst in wärmere Gegenden fliegen. Große Pflanzen fressende Säugetiere wie das Rentier wandern ebenfalls. Für kleine Säugetiere sind derartige Wanderungen unmöglich.
Viele Tiere der Polargebiete speichern Wärme, indem sie sich ein dickes Fell zulegen. Huskys (Schlittenhunde) haben ein solch dickes und warmes Fell, dass sie auf dem Schnee bei Temperaturen von minus 30°C schlafen können.
Kleinere Tiere verlieren ihre Wärme rascher. Um Wärme zu erzeugen, braucht der Körper Energie, die er durch das Futter, das bei der Verdauung "verbrannt" wird, erhält.
Weil kleine Tiere so schnell auskühlen, müssen ihre Körper die Nahrung schneller verbrennen, um sich warm zu halten. Eine Maus zum Beispiel verbrennt Energie 20mal schneller als ein Schaf.


Wasserspitzmaus

Außerdem gibt es eine Grenze für die Felldicke eines kleinen Tieres. Das Fell kann niemals so kräftig und dicht werden wie bei großen Tieren. Daher bauen sich viele kleinere Tiere behagliche, gut gegen Kälte geschützte Nester, häufig in Bauten tief im Boden.
Um ihre Körpertemperatur bei 37°C zu halten, müssen warmblütige Säugetiere dauernd fressen. Viele Arten legen sich Fettpolster zu, von denen sie zehren, wenn die Nahrung durch Kälte und Schnee weniger wird. Andere Tiere legen Wintervorräte aus Nüssen und Samen an. Viele Tiere haben jedoch nur eine Chance, zu überleben, wenn sie ihren Energieverbrauch auf ein absolutes Minimum senken. Sie erreichen dies, indem sie Winterschlaf halten.


Schnabeltier

Ein unruhiger Schlaf

Winterschläfer schlafen nicht durchgehend während des ganzen Winters. Kleine Fledermäuse schlafen am längsten ohne Unterbrechung, aber auch nicht länger als etwa einen Monat.


Langohr-Fledermaus

Der Igel zum Beispiel schläft nur zwei bis drei Wochen, bevor er wieder kurz aufwacht.
Die winzige Etruskerspitzmaus, die kaum zwei Gramm wiegt, schläft sogar nur wenige Stunden auf einmal, ihr Körper fällt dabei in einen Starrezustand.
Während des Winterschlafs wirken einige Tiere wie tot. Sie sind kalt und fühlen sich leblos an, wenn man sie aufhebt. Andere Arten wachen fast augenblicklich auf, wenn man sie stört.
Fast alle Winterschläfer wachen auf, wenn die Temperatur so weit sinkt, dass sie erfrieren würden. Das Aufwachen kündigt sich meist durch ein Zittern an, wenn das Tier nämlich beginnt, seine Körpertemperatur zu erhöhen. Zwar wird beim langsamen Aufwachen kostbare Energie verbraucht - Energie, die ja der Winterschlaf sparen helfen soll -, aber es scheint lebensnotwendig für die Tiere zu sein, denn auch während des Winterschlafs wird etwas Energie verbraucht, und die Abfallstoffe müssen ausgeschieden werden - das bedeutet, die Tiere müssen "aufs Klo" gehen, obwohl sie lange nichts fressen und trinken.
Winterschläfer können auch aufwachen, um zu trinken. Vorratsammler wie Hamster und Steifenhörnchen wachen alle zwei bis zehn Tage auf, um an ihre Nuss- und Samenvorräte zu gehen und etwas zu fressen. Danach legen sie sich wieder schlafen.

Winterschlaf bei Vögeln

Früher glaubte man, dass Schwalben den Winter unter Wasser verbringen und am Grund von Flüssen und Teichen Winterschlaf halten. Heute weiß man, dass Schwalben im Herbst in wärmere, südliche Gefilde ziehen, bevor die kalte Jahreszeit ihre Nahrungsquelle, die Insekten, zum Versiegen bringt.
In jüngster Zeit hat man aber herausgefunden, dass bestimmte Vogelarten offenbar doch eine Art Winterschlaf halten, wenn auch nur für kurze Zeitspannen. Wie die Schwalbe ernährt sich auch der Poorwill, eine amerikanische Nachtschwalbe, von Insekten. Wenn es von diesen im Winter kaum noch welche gibt, versinkt er in einen Winterschlaf, um Energie zu sparen. Für kurze Zeit kann seine Köpertemperatur von 41°C bis auf 5°C absinken, die normale Winterschlaftemperatur beträgt jedoch 18°C.
Auch viele tropische Kolibri-Arten fallen nachts, wenn ihre Körpertemperatur sinkt, in einen Starrezustand, der dem Winterschlaf sehr ähnlich ist.

Winterschlaf und Winterruhe

Bestimmte Säugetiere wie der Dachs verschlafen einen Großteil des Winters in ihrem unterirdischen Bau. Sie halten allerdings keinen richtigen Winterschlaf.


Dachs

Ihr Herzschlag und die Körpertemperatur sind annähernd gleich wie im wachen Zustand. Würde die Temperatur stärker absinken, wäre das der sichere Tod für diese Tiere.
Waschbären und Stinktiere schlafen sich auch durch kalte Winterperioden, und auch sie halten ihre hohe Körpertemperatur aufrecht.


Waschbär

Nach neueren Untersuchungen sind Braunbären und Schwarzbären, die man bisher für Winterruher hielt, doch echte Winterschläfer, eben so Eisbären und Kragenbären.


Schwarzbär


 

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 Inhalte von Eva Hensely
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