"Du bist doch wirklich das unordentlichste Kind auf der ganzen weiten Welt!"
Ellis Mutter trocknet sich ihre Hände mit einem gelben Geschirrhandtuch ab.
"In deinem Zimmer sieht es aus wie, wie . . . " Ihr fehlen die Worte.
"Wie in einer Rumpelkammer", denkt Elli, "oder wie in einem Hamsterkäfig, oder wie in einer
Spielzeugkiste, die jemand kräftig geschüttelt hat."
Aber sie sagt lieber nichts, denn ihre Mutter schnaubt schon durch die Nase, und das ist wirklich kein gutes Zeichen ! Sie fuchtelt jetzt mit dem gelben Handtuch herum.
"Hier liegt was, und da liegt was, und der schöne Teppichboden sieht mal wieder mal furchtbar aus! In einer halben Stunde komme ich nachsehen, ich stelle die Eieruhr, und jetzt streng dich mal bitte ein bisschen an!!"
Tür zu, Mutter weg. Elli pustet erleichtert und wagt es, wieder Luft zu holen. Diese Diskussion gibt es mindestens einmal in der Woche, und Elli weiß, wenn Mama erst mal mit der Eieruhr droht, ist es ernst. Sie will ja eigentlich auch lieber ein aufgeräumtes Zimmer haben, aber Aufräumen ist halt einfach so blöd! Außerdem kann sie gar nichts für die Unordnung. Irgendwie passiert das beim Spielen immer von ganz allein. Als ob die Spielsachen ohne ihr Zutun einfach aus ihren Kisten und Regalen hüpfen, nur um Elli einen Streich zu spielen. Bei vielen Dingen kann sie sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wann sie sie ausgeräumt hat.
Elli setzt sich auf ihren blauen Schreibtischstuhl, und wippt ein bisschen mit der Rückenlehne.
"Wenn ich jetzt die Augen schließe und mich genau elfmal mit dem Stuhl drehe und dann die Augen wieder öffne, ist das Zimmer prima aufgeräumt und blitz blank sauber", denkt sie. Sie schließt ihre Augen, dreht sich genau elfmal und öffnet die Augen ganz sacht.
Vom Drehen ist ihr ganz schwindelig geworden, das Zimmer dreht sich weiter. Ihr Hochbett mit den bunten Vorhängen und der steilen Leiter fährt scheinbar im Raum spazieren, das Bücherregal tanzt Walzer und der Schreibtisch hüpft im Takt dazu.

Aber aufgeräumt ist nichts, in ihrem Zimmer sieht es noch immer aus wie, wie ...
Sogar Ellis dicker brauner Brummbär Bruno, der wie immer am Fußende ihres Bettes sitzt und brav wartet, bis es Zeit zum Schlafengehen ist, hat noch zwei große Staubflocken am linken Ohr hängen und ist plötzlich nicht mehr da -
ER IST NICHT MEHR DA !!
Bruno sitzt nicht mehr am Fußende und guckt mit seinen treuen Bärenglasaugen in die Gegend. Bruno, der brave braune Brummbär steht direkt vor Elli und stemmt seine kurzen Fellarme in die Hüften. Dabei hat er eigentlich gar keine Hüften, sondern nur einen dicken flauschigen Plüschbauch.
Vor lauter Staunen klappt Elli den Mund auf und zu, sagen kann sie nichts.
Aber Bruno sagt mit einer tiefen, freundlichen Bärenstimme: "Wenn du mit dem Stuhl Karussell fährst, wird unser Kinderzimmer nie ordentlich, also auf, ich helfe dir."
Und schon saust er auf seinen kurzen, braunen Bärenbeinchen los, hebt hier etwas auf und räumt da etwas weg, das geht wie der Blitz ...
So, schon fertig.
Und während Elli ihre Bettdecke aufschüttelt und zusammenlegt, klettert Bruno die Leiter hoch, setzt sich auf seien Platz am Fußende, schnauft zufrieden und rührt sich nicht mehr.
Im Flur rasselt die Eieruhr - die halbe Stunde ist rum, Mama kann kommen!
Sie kommt auch tatsächlich gleich ins Kinderzimmer und staunt nicht schlecht. Sie wirkt ziemlich verblüfft.
"Toll, das sieht ja richtig ordentlich aus, nichts liegt mehr rum, sogar das Bett ist gemacht, man könnte meinen, dir hat jemand geholfen. Zur Belohnung gibt es Schokoladenpudding!"
Heimlich zwinkert Elli ihrem dicken braunen Brummbär Bruno zu. Aber der sitzt wie immer bewegungslos am Fußende ihres Bettes und guckt mit seinen treuen Bärenglasaugen in die Gegend.



 

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