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„Guck mal ich habe eine neues Kleid!“ Mit diesen Worten
begrüßt Sarah ihre Freundin Marie.
Die beiden treffen sich jeden Morgen vor der Schule.
Die beiden Freundinnen mögen sich gerne, aber manchmal nervt es Marie,
wenn Sarah wieder einmal etwas Neues bekommen hat und damit angibt.
Obwohl Marie das Kleid eigentlich auch ganz toll findet, sagt sie trotzig:
“Na und? Das ist doch viel zu fein für die Schule.“
Maries Eltern haben nicht so viel Geld und bei ihr zu Hause gibt es nur
zum Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke. Das stört Marie nicht, im
Gegenteil, sie freut sich um so mehr auf diese besonderen Tage.
Wenn ihr Geburtstag näher kommt, hat sie immer ein ganz dolles Kribbeln im
Bauch und kann dann vor Aufregung gar nicht richtig einschlafen.
Marie hat in der Schule immer praktische Sachen an, so nennt ihre Mutter
diese Klamotten immer.
Das sind ältere Kleider und auch Hosen mit Pullover
oder Strickjacken, die zum Teil schon Maries größere Schwester getragen
hat. Maries Mutter meint, die Sachen sind noch wie neu, die können ruhig
dreckig werden und es macht nichts, wenn beim Toben einmal ein Loch hinein
kommt. Marie findet die Sachen auch ganz in Ordnung, obwohl sie nicht alle
in ihrer Lieblingsfarbe pink sind.
Sarah ruft aufgeregt: „Heute will ich Prinzessin spielen und ich bin die
Prinzessin in ihrem neuen Kleid!“
Marie sagt lieber nichts mehr und beide gehen zu den anderen Kindern in
ihre Klasse.
In der großen Pause geht die Lehrerin mit allen Kinder nach draußen zum
Spielen. Die Schule hat einen tollen Spielplatz mit einem Piratenschiff
aus Holz und ein langes Seil, das von einem großen Baum herunterhängt. Der
Baum steht in einem Graben genau zwischen zwei Erdhügeln und man kann sich
mit dem Seil genau von dem einen Erdhügel zu dem andern Erdhügel hinüber
schwingen.
Der Graben ist ganz schön tief und beim Spielen nennen ihn die Kindern die
Räuberschlucht. |
Die meisten Kinder wollen mit dem Seil schaukeln und keiner hat Lust,
Prinzessin zu spielen. Sarah bleibt nichts anderes übrig, als mit den
anderen Kindern am Seil über die Räuberschlucht zu schwingen, denn sie hat
ja auch keine Lust, alleine Prinzessin zu spielen. Es ist schwer sich so lange am Seil festzuhalten, bis
man auf dem anderen Hügel endlich abspringen kann.
Jetzt ist Sarah an der Reihe. Sie hat ein ganz mulmiges Gefühl im Bauch,
denn sie hat es vorher noch nie ausprobiert, sich am Seil von einem Hügel
zum anderen zu schwingen.
Trotzdem nimmt sie mutig das Seil und los geht es.
Uuuiih geht das schnell, der Wind weht ihre Haare durcheinander. Sarah
saust auf den anderen Hügel zu und merkt plötzlich, dass sie immer weniger
Kraft in den Armen hat, um sich festzuhalten.
Ihre Arme fühlen sich an wie Pudding und sie schafft es nicht, sich länger
festzuhalten.
Sie lässt das Seil zu früh los, rutscht aus, rollt mit ihrem schönen Kleid
den dreckigen Erdhügel herunter und bleibt dann mitten in der
Räuberschlucht liegen. Sie hat sich zum Glück nicht wehgetan, aber ihr
Kleid sieht nun nicht mehr wie das einer Prinzessin aus. Es ist über und
über mit Dreck und Grasflecken bedeckt.
Die anderen Kinder haben sich ganz schön erschrocken, als sie aber sehen,
dass Sarah nichts passiert ist, finden sie es so lustig, dass sie sich
fast kaputt lachen.
Marie läuft sofort zu ihrer Freundin und will sie trösten. Alle denken,
Sarah fängt gleich an zu weinen und sie hat auch tatsächlich schon Tränen
in den Augen. Aber was ist das? Die Tränen kommen gar nicht vom Weinen,
ganz im Gegenteil. Sarah hat Lachtränen in den Augen. Ihr tut schon der
Bauch weh vor lauter Lachen und sie ruft begeistert:
„Das hat Spaß gemacht, ich will noch einmal“!
Auf dem Nachhauseweg als der Kindergarten zu Ende ist, sagt Sarah zu
Marie: „Ich glaube ich ziehe morgen auch lieber eine Hose an, so wie du,
dann kann ich besser mit dir toben!“
Und Marie denkt, es ist doch schön eine beste Freundin zu haben. |