Teil 2


 

Weißt du noch, wie die Geschichte begonnen hat? Wenn nicht, lies noch mal hier nach!

Glücklich steckte Mirco den Taler ein. Er hatte es tatsächlich geschafft.
"Jetzt müssen wir uns aber beeilen", fiel ihm ein. "Es ist ja schon Mittag vorbei." Schnell gingen sie weiter den Weg entlang. Sie liefen eine lange Zeit, bis sie zu einem dichten Wald kamen.
"Hier ist es aber unheimlich", die Gans versuchte ganz nah an Mircos Beinen zu bleiben. "Mir gefällt es hier nicht."
"Mir auch nicht", stimmte ihr Mirco zu. "Aber das ist der einzige Weg zur Hexenstadt. Lass uns möglichst schnell gehen, damit wir wieder aus diesem Wald heraus kommen."
Doch dafür war es schon zu spät. Auf einmal sprangen sechs wilde Räuber auf den Weg. Mirco bekam große Angst.
"Gib uns dein Geld", riefen sie. "Dann lassen wir dich weiter gehen."
"Ich kann euch meinen Taler nicht geben", erklärte Mirco. "Den brauche ich selber." Die Räuber fingen an zu lachen.
"Wenn du den behalten willst, wirst du ihn schon wegzaubern müssen. Sonst gehört er uns."
Die Gans stupste Mirco an.
"Los Zauberschüler, das schaffst du." Er überlegte.
"Gut", sagte er dann. "Ich will die Münze vor euren Augen verschwinden lassen. Aber danach lasst ihr uns gehen." Die Räuber grölten begeistert und riefen alle anderen aus der Räuberbande zusammen.
Für seinen Zaubertrick ließ sich Mirco ein Glas geben. Das Geldstück war darin deutlich zu erkennen.
"Der Taler wird gleich verschwunden sein", versprach er. Er füllte Wasser ins Glas und legte seine Einladungskarte oben drauf. Dabei murmelte er: "Hick-heck-meck - Die Münze, die ist weg!" Und wirklich - der Goldtaler war nicht mehr zu sehen! Ungläubig verrenkten sich die Räuber die Hälse. Vergeblich, der Taler war unsichtbar geworden.
Die Räuber waren wütend, dass Mirco den Taler weggezaubert hatte, doch sie hielten ihr Wort und ließen den Zauberschüler und seine Gans weiter gehen. Stolz steckte Mirco die Münze ein.
"Wie hast du das gemacht?", die Gans war schwer beeindruckt. Mirco beugte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr.
Endlich, es dämmerte schon, kamen die beiden in die Nähe der Hexenstadt. Doch ein tiefer Graben trennte sie davon, und es war weit und breit keine Brücke zu sehen. Mirco war ganz traurig. So weit war er gekommen, auch seinen Taler hatte er noch, und jetzt kam er nicht über die Schlucht.

"Sei nicht traurig", tröstete ihn die Gans. "Vielleicht kann ich dir helfen." Mirco blickte auf. Was meinte die Gans damit?
"Setz dich auf meinen Rücken und halt dich gut fest", verlangte die Gans. "Wir fliegen zusammen rüber." Und schon gings los, in Nullkommanichts war Mirco in der Hexenstadt. Genau vor den Zauberinnen, die an einem Tisch saßen, ließ ihn die Gans absteigen.
"Du bist spät", brummelte die Oberzauberin nachdem sie auf seine Einladungskarte geschaut hatte. "Wir wollten gerade zum Abendessen gehen." Mirco ließ den Kopf hängen.
"Wir mussten ein Abenteuer bestehen, um zu euch zu kommen", erklärte die Gans. "Jetzt nehmt das Goldstück und lasst ihn seine Prüfung machen." Bei dem Wort "Goldstück" leuchteten die Augen der Zauberin auf.
"Gut, gut", stimmte sie zu. "Dann werde ich meinen Hunger solange noch mit diesen Früchten stillen.“
Mirco musste verschiedene Fragen beantworten. Das war nicht schwierig, fand er. Dann bekam er seine Zauberaufgabe. Er sollte irgendeine Sache schweben und dann wieder herunterlassen. Mirco überlegte. Dies mit einer Zauberin zu tun, wagte er nicht. Und sonst war auf dem Platz nicht viel zu sehen, was er schweben lassen könnte.
Doch halt! Da war die Schale mit Obst. Er nahm eine kleine Handvoll Weintrauben heraus. Und ein Wasserglas stand auf dem Tisch. Auch das nahm er sich, nachdem er prüfend hinein geschaut hatte. Er ließ vorsichtig zwei Trauben hineinplumpsen. Dann überlegte er. Wie war noch mal der Zauberspruch? Er kam einfach nicht drauf!
Mirco bekam ganz feuchte Hände. Er überlegte und überlegte - und endlich fiel es ihm wieder ein: "Ich wills erleben - Trauben schweben!" Ganz langsam schwebte die Weintaube im Glas nach oben, obwohl sie vorher noch fest auf dem Boden gelegen hatte. Und jetzt musste sie wieder runter. Mirco konzentrierte sich: "Ich tus brauchen - Trauben tauchen!" Einen Moment lang passierte nichts - Mirco schluckte aufgeregt. Dann sank die Frucht im Glas wieder nach unten.
"Juhu, du hast es geschafft, du hast es wirklich geschafft", die Gans geriet vor Freude ganz außer sich. Die Zauberinnen sahen zufrieden aus.
"Gut gemacht", lobten sie ihn. "Die Prüfung ist bestanden. Jetzt bist du ein richtiger Zauberer." Als Zeichen dafür schenkten sie ihm einen großen Zauberhut. Mirco war glücklich. Welche Abenteuer er wohl als Zauberer erleben würde?


 

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 Inhalte von Eva Hensely
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