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Es war
früher Morgen, als Zauberin Ophelia das Turmzimmer betrat. Ihr Schüler
Mirco saß zwar an seinem Platz, doch den Kopf hatte er auf den Tisch
gelegt und die Augen geschlossen. Er schlief.
Ophelia blickte schmunzelnd auf ihn hinunter.
"Aufwachen!" weckte sie ihn. "Sonst verwandle ich dich in einen Igel, dann
kannst du lange Winterschlaf halten." Mirco hob den Kopf und rieb sich die
Augen.
"Warum musste ich denn heute so früh aufstehen?", gähnte er.
"Ich habe etwas Wichtiges mit dir zu besprechen", erklärte die Zauberin.
"Heute Abend ist nämlich deine Zauberprüfung." Mirco wurde ganz aufgeregt.
"Heute Abend
schon?"
Er wollte es gar nicht glauben.
"Ja, und du musst unbedingt bis Sonnenuntergang in der Hexenstadt sein."
Umständlich kramte Ophelia in ihrer Tasche.
"Hier hast du deine Einladungskarte und einen Goldtaler. Verliere das Geld
nicht", warnte Ophelia. "Ohne den Taler schicken dich die Zauberinnen
wieder fort". Mirco steckte das Geldstück in die Hosentasche. Dann nahm er
seinen Zauberstab vom Tisch, verabschiedete sich und machte sich auf den
Weg in die Hexenstadt. Etwas mulmig war ihm schon, als er so allein den
Weg entlang lief. Ob er wirklich alle Zaubersprüche auswendig konnte und
keinen vergessen würde?
Nachdem er eine ganze Weile gegangen war, hörte er plötzlich lautes
Geschnatter und Geschrei. Mirco war neugierig. Was war das nur? Vorsichtig
lief er vom Weg hinunter in den Wald. Dann sah er es. Auf einer kleinen
Lichtung stand eine Hütte. Davor versuchte eine große Gans einem Mann
davon zu laufen, der sie verfolgte. Er hielt eine Feder in der Hand.
Als die Gans Mircos Zauberstab sah, lief sie sofort zu ihm.
"Hilf mir, bitte", schnatterte sie. "Du bist doch ein Zauberer!"
"Ein Schüler", erklärte Mirco. "Aber sag mir
doch, warum verfolgt dich der Mann?"
"Er will meine Federn haben und auf dem Markt verkaufen", jammerte die
Gans. "Das geht doch nicht. Wie sehe ich dann nur aus?" Mirco sah auf die
verzweifelte Gans herunter. Er wollte ihr gerne helfen. |
"Wenn
du mir einen Goldtaler gibst, gehört die Gans dir", sagte der Mann. "Sonst
muss ich ihre Federn nehmen und verkaufen, denn ich brauche das Geld."
"Ich habe nur einen Taler", überlegte Mirco laut. "Den brauche ich für die
Zauberprüfung."
"Bitte, bitte", sagte die Gans.
"Na gut", Mirco holte die Münze aus seiner
Tasche. "Du sollst deine Federn behalten."
Gemeinsam gingen sie weiter, der Zauberschüler und seine Gans.
"Wie bezahle ich jetzt nur meine Prüfung?" grübelte Mirco. "Ich muss mir
etwas verdienen."
"Kannst du keinen Taler zaubern?", fragte die Gans.
"Leider nicht", seufzte Mirco. "Dafür weiß ich keinen Zauberspruch."
Sie kamen auf einen Marktplatz. Dort waren viele Stände aufgebaut, an
denen alle möglichen Sachen zum Kauf angeboten wurden. Viel gab es da.
Staunend ging Mirco den Markt entlang.
Plötzlich hörte er eine laute Stimme rufen: "Einen Goldtaler gebe ich. Für
den, der es schafft, dieses volle Wasserglas umzudrehen und mit einer Hand
zu tragen ohne einen Tropfen zu verschütten." Mirco blieb stehen.
"Kannst
du das?", fragte die Gans.
"Ich werde es versuchen", meinte er.
Schnell hatten sich viele Menschen versammelt, die zuschauen wollten.
Mirco war kribbelig. Würde seine Zauberei gelingen?
Er nahm das Glas in die Hand. Es war bis obenhin mit Wasser gefüllt. Mirco
atmete tief ein und drehte sich kurz zur Seite, um seine Einladungskarte
aus der Hosentasche zu holen. Dann sprach er seinen Zauberspruch: "Wi, wo,
was -Wasser bleib im Glas!" Er drehte das Gefäß um, nahm die zweite Hand
weg - und wirklich, das Wasser blieb drin. Kein einziger Tropfen floss
heraus. Die gespannt zuschauenden Menschen klatschten begeistert.
"Großartig!", die Gans flatterte aufgeregt mit den Flügeln. "Wie hast du
das gemacht?" Mirco beugte sich zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
Wird Mirco zu seiner Zauberprüfung
antreten können?
Das erfährst du im nächsten Monat! |