|
Ein Knacken war zu hören, als sich der Osterhase seinen
Weg durch den dichten Wald bahnte. Ganz eng musste er seine langen Ohren
anlegen, um nicht an die Zweige der Bäume zu stoßen.
"Puh, hier ist es aber dunkel", murmelte er. "Ich sehe ja die Pfote vor
Augen
nicht."
Plötzlich stolperte er über einen Ast auf dem Boden. Der schwere Korb auf
seinem Rücken kam ins Rutschen und er fiel hin.
"Autsch! Das tut weh", jammerte er und hielt sich eine Pfote.
Die kleine Maus Knabberzahn schaute ganz in der Nähe aus ihrem Mauseloch,
sie hatte alles gesehen. So schnell es mit ihren kurzen Beinen ging, lief
sie zu ihm.
"Ist dir etwas passiert?", fragte sie. Der Osterhase sah ganz traurig aus.
"Ich habe mir die Pfote verstaucht", klagte er. "Jetzt kann ich nicht mehr
zu den Osternestern hoppeln. Und schau, alle schönen Ostereier sind aus
dem Korb gefallen und zerbrochen. Ich fürchte, in diesem Jahr werden die
Kinder kein buntes Nest bekommen." Er ließ den Kopf hängen.
"Vielleicht
kann ich dir helfen", schlug die Maus vor. "Ich bin stärker als ich
aussehe."
"Du kannst es gern versuchen", stimmte der Osterhase zu. "Zuerst musst du
dich bemühen, neue Eier zu bekommen. Das ist das Wichtigste."
Knabberzahn freute sich sehr, dass sie so eine bedeutende Aufgabe erhalten
hatte. Doch bevor sie sich auf den Weg machte, half sie noch, dem Hasen
seine Pfote zu verbinden. Danach trippelte sie energisch los. Doch halt!
Wo musste Knabberzahn denn überhaupt hin, um neue Eier zu bekommen?
"Eier werden von Hennen gelegt", fiel Knabberzahn ein. "Also nichts wie
los zum Hühnerstall."
Dort angekommen musste die kleine Maus ganz laut rufen, um bei dem lauten
Gegacker überhaupt gehört zu werden. Als Knabberzahn der Henne endlich
erklärt hatte, dass sie in Vertretung für den Osterhasen von ihr Eier
haben wollte, brach diese in lautes Kichern aus.
"Eine
Ostermaus! - Wo gibt es das denn? Du bist doch viel zu klein", gackerte
sie. "Ich bin stärker als ich aussehe", Knabberzahn war gekränkt.
"Schon gut, ich wollte dich nicht beleidigen", entschuldigte sich die
Henne. Und sie gab der Maus einige Hühnereier.
Erleichtert schlüpfte Knabberzahn aus dem Hühnerstall. Die Eier rollte sie
vorsichtig vor sich her. Doch weil diese so groß waren, konnte die Maus
überhaupt nicht sehen, wo sie hinlief. Und so kam es, wie es kommen
musste. Ein Ei rollte vor eine alte Dose, die im Gras lag, und mit einem
knackenden Geräusch ging die Schale kaputt.
"Oh nein", die Maus war ganz ärgerlich. "Wieso liegt denn Müll in der
Wiese?"
Es raschelte leise im Gras, und ein alter Igel näherte sich vorsichtig.
"Darf ich das kaputte Ei haben?", fragte er. "Ich esse es
gerne."
"Na gut", meinte Knabberzahn. "Daraus lässt sich eh kein Osterei mehr
machen, höchstens Rührei."
"Was hat denn eine Maus mit Ostereiern zu tun?", erkundigte sich der Igel
neugierig. Als Knabberzahn es ihm erklärt hatte, überlegte er eine Weile. |
"Weil du mir das kaputte Ei geschenkt hast, werde ich
dir auch einen Gefallen tun", schlug er vor. "Ostereier müssen bunt sein,
und ich weiß einen Ort, wo du deine restlichen Eier färben kannst."
Knabberzahn war sofort einverstanden und gemeinsam machten sie sich auf
den Weg. Die alte Dose nahmen sie mit.
Schnell kamen sie zu einem besonderen Haufen hinten im Garten. Darauf
lagen Zweige und Blätter, Essensreste und auch Obst- und Gemüseschalen.
"Was soll ich hier am Komposthaufen?", fragte die Maus. Der Igel
schmunzelte. "Mit Gemüseschalen, Zweigen und Blüten lassen sich Eier auch
bunt färben", wusste der und zeigte es ihr. "Dafür kann man zum Beispiel
die Schalen von den Zwiebeln nehmen.
Oder auch Rote Beete, Spinat oder Kamilleblüten."
Gut, dass Knabberzahn die Dose gefunden hatte. Diese eignete sich
hervorragend zum Einfärben, und schon bald hatten sie die bunten Ostereier
fertig.
"Schön
sehen die aus", hörten sie auf einmal eine Stimme sagen. Als Knabberzahn
aufblickte, sah er ein Tier unter einer Hecke sitzen. Es sah fast aus wie
ein Hase, war aber kleiner und hatte kürzere Ohren.
"Ich bin Flecki, das Stallkaninchen", stellte es sich vor. "Ich bin aus
meinem Stall ausgebüxt, denn ich habe vom Unfall des Osterhasen gehört und
möchte euch gerne helfen. Kommt mit mir mit."
Alle gemeinsam liefen sie zum Kaninchenstall. Die Eier waren zu dritt viel
einfacher zu transportieren.
Dort angekommen, begann Flecki in seinem Stall kräftig zu scharren.
Knabberzahn und der Igel blickten sich fragend an.
"Ihr braucht doch Heu oder Stroh für die Osternester." Stolz zeigte Flecki
mit seiner Pfote auf das zusammengeschobene Heu.
Knabberzahn bedankte sich, daran hatte sie überhaupt nicht gedacht.
"Wir haben alles", die Maus freute sich. "Jetzt können wir das Osternest
für die Kinder bauen."
Vorsichtig, um nicht gesehen zu werden, schlichen die Maus, der Igel und
das Kaninchen zum nächsten Haus. Darin wohnten die Kinder Hanna und Lukas,
die noch fest schliefen, denn es war früher Morgen. Gemeinsam bastelten
sie aus dem Heu ein schönes Nest und legten die bunten Ostereier hinein.
Flecki, das Kaninchen brachte noch eine hübsche Blume an, die es mit
seinen scharfen Zähnen gepflückt hatte.
Das Osternest war fertig.
"Ist
das schön geworden." Langsam und nur auf drei Pfoten kam der Osterhase
angehoppelt. "Das hast du gut gemacht, Knabberzahn."
"Allein hätte ich es nicht geschafft", gab die Maus zu. "Doch für uns alle
zusammen war es gar nicht schwierig." Der Osterhase nickte und freute
sich.
Während sie noch da standen und das Nest bewunderten, hörten sie plötzlich
Hanna und Lukas lachen. Sofort versteckten sich die vier unter dem
nächstbesten Strauch. Waren sie etwa
entdeckt worden? - Nein, zum Glück nicht. Ohne die Tiere zu bemerken,
begannen die Kinder auf der Wiese zu suchen. "Das ist das Schönste an
Ostern", hörten sie Hanna sagen. "Man weiß immer, dass sich das Suchen
lohnt." |