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Pieks steckte vorsichtig
seine Nase aus der Höhle und schnupperte. Draußen war es kalt. Der junge
Igel wusste, bald war es Zeit für den Winterschlaf. Vorher feiere ich aber
noch ein Fest, beschloss er. Ein Winterschlaffest - und dazu lade ich
meine Freundin Knabber ein.
Sofort machte er sich auf den Weg, um sie zu suchen. Doch schon nach
wenigen Schritten blieb er überrascht stehen. Auf dem Boden lagen
wunderschöne bunte Blätter, wie er sie noch nie gesehen hatte.
Pieks staunte. Wo kamen diese knisternden Blätter her? Und warum wa ren
sie so bunt?
Im Wald war es Herbst geworden. Die grünen Blätter der Bäume hatten sich
rot und gelb verfärbt und waren auf den Boden gefallen. Der kleine Igel
wühlte die Nase tief hinein. Dann suchte er sich die schönsten Blätter aus
und trug sie in sein Zuhause. Darin kann ich gemütlich Winterschlaf
halten, freute er sich. Als er wieder nach draußen ging, sah er Knabber
unter einem Baum sitzen. Pieks bewunderte ihr glänzendes braunes Fell, die
spitzen Ohren und den buschigen Schwanz.
Pieks trippelte eilig zu seiner Freundin. "Feierst du mit mir ein
Winterschlaffest?", fragte er. Das Eichhörnchen freute sich über die
Einladung.
"Ich komme bestimmt", versprach es. "Gibt es auch etwas zu essen?" Pieks
überlegte. "Was magst du denn?", wollte er wissen. "Ich esse besonders
gern Nüsse und Eicheln", erklärte Knabber. "Oder diese eckigen Dinger
hier." Und sie zeigte Pieks einige Bucheckern, die im Laub lagen.
"Sie sehen wie kleine Pyramiden aus", fand Pieks und stupste die Eckern
mit der Nase an. "Wachsen sie wie Pilze im Boden?", fragte er.
Knabber schüttelte sich vor Lachen. "Du Dummerchen", kicherte sie.
"Bucheckern wachsen doch auf Bäumen.
Und zwar auf Buchen."
Sie sammelten so viele Eckern auf, wie sie nur tragen konnten. Dann
brachten sie das Essen in Pieks Haus.
"Wer kommt noch zu deinem Fest?", erkundigte sich Knabber.
"Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", gab Pieks zu.
"Lade doch Goldauge ein", schlug das Eichhörnchen vor. "Das kleine Reh
freut sich bestimmt." Damit war Pieks einverstanden. "Dann brauchen wir
für Goldauge auch was zu essen", bestimmte er. "Rehe essen gerne
Kastanien", wusste Knabber.
"Davon habe ich schon gehört", erinnerte sich der Igel. "Aber auf welchen
Bäumen wachsen Kastanien?", grübelte er.
"Auf Kastanienbäumen", erklärte Knabber. "Solche Bäume stehen am Waldrand.
Für unsere kurzen Beine ist es ein weiter Weg dorthin." "Dann gehen wir
besser sofort los", entschied Pieks. "Warte", schmunzelte Knabber. "Ich
nehme noch einen Hut mit." Das Eichhörnchen bückte sich, um etwas
aufzuheben.
Knabber setzte sich eine Bucheckernkapsel auf den Kopf. Sie wackelte
heftig, als das Tier den Kopf bewegte. Pieks kicherte. Das sah lustig aus,
fand er. Das Eichhörnchen grinste verschmitzt.
"Unser Weg führt jetzt zwischen dichten Tannen hindurch. Und mit diesem
Hut fallen mir keine Nadeln auf den Kopf", erklärte es. Allerdings musste
Knabber ihre Mütze gut festhalten, sonst hätte das
Eichhörnchen
sie schon beim ersten Schritt verloren. Energisch rückte es die Mütze
zwischen den Ohren zurecht.
Beide Tiere zogen den Kopf ein, als sie in den düsteren Tannenwald kamen.
Es roch nach feuchter Erde und Laub. Pieks schnüffelte. Dann entdeckte er
etwas unter den Bäumen.
"So ein schöner Tannenzapfen", freute sich Pieks. "Den nehme ich mit
nachhause. Damit kann ich mir die Stacheln bürsten." Er stupste den Zapfen
so lange mit der Nase an, bis er sicher zwischen seinen Stacheln steckte
und beim Laufen nicht herunterfallen würde. Dann lief er schnell hinter
Knabber her, die schon weitergegangen war. |
Endlich hatten sie den
Tannenwald durchquert. Die Bäume standen jetzt weniger dicht zusammen, und
es war nicht mehr so düster. Daher entdeckten die beiden Tiere schnell,
dass sie hier nicht allein waren. Sie versteckten sich im Gebüsch und
beobachteten drei seltsame Wesen. Diese schienen zwischen den Bäumen zu
tanzen. Sie liefen einige Schritte, dann blieben sie stehen und bückten
sich, um einen Pilz aufzuheben. Das wiederholte sich immerzu.
"Guck mal", Knabber stieß den Igel in die Seite. "Die haben ja nur zwei
Beine. Kein Wunder, dass sie so komisch gehen müssen. Bestimmt haben sie
sich einmal verletzt und dadurch ihre anderen Beine verloren." Pieks
schüttelte den Kopf.
"Das stimmt nicht. Ich habe solche Wesen schon öfter gesehen, sie haben
alle nur zwei Beine. Es sind Menschen!"
Pieks und Knabber bestaunten die Menschen mit offenem Mund. Als diese ihre
Körbe gefüllt hatten, gingen sie davon. Dabei machten sie mit dem Mund
seltsame Geräusche. Knabber wunderte sich darüber. In seinen Ohren klang
es wie bla, bla, bli, bla - er konnte jedenfalls kein Wort davon
verstehen.
Langsam liefen die Tiere den Menschen hinterher. Das Eichhörnchen war
besonders neugierig. Es reckte sich so hoch es nur konnte. Dabei passte es
nicht auf, wo es hinlief, und stolperte über ein Teil, das auf dem Boden
lag. Knabber erschrak. Hektisch fuchtelte sie mit den Pfoten und konnte
gerade noch verhindern, dass sie hinfiel. Erleichtert atmete sie auf. Dann
berührte sie vorsichtig das helle Ding über das sie gestolpert war. Was
war das?
Es war ein Pilz, erkannte Knabber. Den
hatten bestimmt die Menschen verloren. Plötzlich hatte sie einen tollen
Einfall. "Darauf können wir trommeln", erklärte sie dem Igel. "Dann haben
wir auf deinem Fest sogar Musik." Das gefiel Pieks, und er war bereit,
auch den Pilz auf dem Rücken zu tragen. Unter lautem Ächzen und Stöhnen
befestigte Knabber ihn zwischen den Igelstacheln. Das war gar nicht so
einfach, schließlich wollte sie dabei nicht gestochen werden. Endlich
hatte sie es geschafft.
Ein leises Rascheln war zu hören, als ein junges Reh aus dem Schatten der
Bäume hervortrat. "Goldauge", strahlte Knabber. "Was habt ihr beiden so
nah am Waldrand zu tun?", fragte das Reh. "Wir sammeln
Essen
für mein Winterschlaffest", erklärte Pieks eifrig. "Du bist auch
eingeladen." Goldauge schaute den Igel freundlich an. "Ich komme gern",
sagte sie. "Vorher habe ich aber noch etwas zu tun." Und sie sprang mit
weiten Sätzen davon.
Pieks und Knabber beeilten sich, um endlich den Waldrand zu erreichen. Die
Kastanienbäume waren so hoch, dass sie diese schon von weitem sahen. Als
sie dort angekommen waren, entdeckten sie zwischen dem bunten Laub etliche
braune Früchte. Manche steckten sogar noch in einer grünen Schale.
Schnell hatte Pieks mit der Nase einige Kastanien zusammen geschoben. Doch
wie sollte er sie mitnehmen? Die Früchte waren rund und glatt, immer
wieder rutschten sie von seinem Rücken herunter. "Ich helfe dir tragen",
schlug das Eichhörnchen vor. Und es hob die glänzenden Kastanien mit
seinen kräftigen Pfoten auf und rollte sie vor sich her. Wie schön, dass
Knabber mitgekommen ist, dachte Pieks. Allein hätte ich die ganzen Dinge
gar nicht tragen können.
Schwer beladen machten sie sich auf den Rückweg. Goldauge wartete schon
vor Knabbers Unterschlupf, und zu dritt feierten sie ein rauschendes
Winterschlaffest. Sie aßen und tranken, trommelten und lachten. Als die
Feier vorbei war, kuschelte sich Pieks in sein wärmendes Bett aus Laub. Er
gähnte müde. Als er die Augen schloss und einschlief, träumte er bereits
von seinem nächsten Winterschlaffest. |