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Es war ein herrlich warmer
Frühlingstag. Hanna und Lukas standen am Kinderzimmerfenster. Sehnsüchtig
starrten sie durch die Scheibe. Am liebsten würden sie jetzt draußen
spielen. Aber sie durften nicht. Vorher sollten sie ihr Zimmer aufräumen,
hatte ihre Mutter gefordert. Hanna seufzte. Sie hatte überhaupt keine Lust
zum Aufräumen. Lukas auch nicht. Er beobachtete lieber einen Marienkäfer,
der außen auf der Fensterscheibe krabbelte. "Sssst" machte es, und der
Marienkäfer schwirrte durch den offenen Fensterspalt ins Zimmer hinein. Er
landete auf dem Fußboden.
„Hey, guck mal!“ Lukas stieß Hanna in die Seite. “Ist der nicht klasse?“
Vorsichtig streckte er einen Finger aus.
Der Käfer krabbelte hinauf. „Das kitzelt“, lachte Lukas.
“Lass mich auch mal!“, Hanna streckte ebenfalls ihren Finger aus.
“Nee, jetzt nicht“, wehrte Lukas ab und zog seinen Finger zurück.
Erschreckt flog der Marienkäfer auf, schwirrte ein bisschen herum und
landete dann auf Hannas Hand. “Jetzt ist er bei mir“, freute sich Hanna.
Langsam hob sie die Hand und sah sich den Käfer genau an. „Komisch“,
wunderte sie sich. „Er hat sieben dunkle Punkte und drei goldene.“
“Was? Das kann nicht sein“, meinte Lukas. „Marienkäfer haben keine
goldenen Punkte.“
“Dieser schon“, beharrte Hanna, und sie zeigte Lukas die kleinen
Pünktchen.
„ Na,
wenn schon.“ Lukas zuckte gleichgültig mit den Schultern. Der Käfer war
ihm bereits langweilig geworden. „Ich will jetzt endlich nach draußen. Ich
wünschte, unser Zimmer wäre schon aufgeräumt.“
Wie durch Zauberhand wirbelten auf einmal alle Sachen im Zimmer herum: Die
Bausteine landeten in ihrem Eimer, Hannas Puppe im Puppenbett, Lukas
Bilderbücher im Regal. Auch die verstreuten Socken plumpsten einer nach
dem anderen in den Wäschekorb. In Nullkommanix war das Zimmer aufgeräumt.
Hanna und Lukas sperrten vor Staunen
den Mund auf. „Was war denn das?“, fragte Lukas verblüfft.
“Ich glaube, dein Wunsch ist gerade in Erfüllung gegangen“, flüsterte
Hanna.
“Das gibt’s nicht“, behauptete Lukas. |
„Wenn ich zum Beispiel
sagen würde: Ich wünschte, mein Fahrrad wäre wieder heile. Dann wäre es
doch trotzdem noch kaputt. Papa muss erst den Reifen flicken. Von alleine
geht das nicht.“
„Das weiß doch jeder!“, fügte er noch hinzu.
“Da wäre ich nicht so sicher“, sagte Hanna, die inzwischen zum Fahrrad
gelaufen war, das in einer Ecke stand. Sie bückte sich und sah genau hin.
Beide Räder hatten Luft. Sie setzte sich auf den Sattel, trat einmal die
Pedale und rollte durchs Zimmer. „Siehst du?“
Lukas war fassungslos. „Aber - aber, das geht doch gar nicht“, stotterte
er.
“Ich glaube, es hat mit dem Marienkäfer zu tun“, überlegte Hanna. Sie trug
den Käfer immer noch auf der Hand und
blickte jetzt nachdenklich auf seine Flügel. „Lukas, er hat nur noch einen
goldenen Punkt“, rief sie aufgeregt.
“Du meinst …?“
“Genau! Das sind Wunschpunkte“, erklärte Hanna. „Drei goldene Punkte waren
es. Dann hast du dir zwei Sachen gewünscht. Und genau zwei Punkte sind
verschwunden.“
“Wenn jetzt nur noch ein Punkt da ist“, grübelte Lukas, „dann haben wir
auch nur noch einen Wunsch frei.“
“Sieht so aus“, nickte Hanna.
“Und was wünschen wir uns?“, fragte Lukas.
“Vielleicht eine Tüte Gummibächen“, schlug Hanna vor.
“Das ist blöd! Besser was Größeres. Wie wäre es mit einem Schwimmbecken im
Garten?“
“Das ist noch blöder! Dafür ist gar kein Platz. Wir nehmen ein Pony!“,
bestimmte Hanna.
“Ein Schwimmbecken!“, fauchte Lukas.
„Ein Pony!“ Hanna ließ nicht locker.
Sie
konnten sich nicht einigen und zankten laut miteinander.
„Ich wünschte, der dumme Käfer hätte überhaupt nur zwei Punkte gehabt“,
schrie Hanna schließlich wütend. Als sie merkte, was sie gesagt hatte,
schlug sie schnell die Hand auf den Mund. Aber es war zu spät. Schon löste
sich der letzte goldene Punkt auf dem Flügel des Marienkäfers auf.
"Ja, das mit dem Wünschen ist gar nicht so einfach", kicherte der Käfer
ganz leise. Aber das hörten Hanna und Lukas nicht. Als der Käfer durch das
Fenster davonflog, bildeten sich auf seinen Flügeln bereits neue
Wunschpunkte. |