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Die Schnecke winkte Knirps zum Abschied zu, dann knabberte sie weiter an
ihrem Blatt. Knirps machte sich auf den Weg. Ihr Herz klopfte vor Angst,
denn sie erinnerte sich an die Warnung der Anführerin ...
...
Doch nichts passierte. Sie kam gut voran, und bald fürchtete sie sich
nicht mehr. Ha, dachte sie. Die älteren Ameisen erzählen ständig, es wäre
gefährlich, alleine zu gehen. Dabei ist hier überhaupt nichts los. Sicher
wollten sie mir nur Angst machen, damit ich brav bei der Gruppe bleibe.
Sie war sich so sicher, dass ihr nichts geschehen könnte, dass sie
unvorsichtig wurde. Jetzt achtete sie nicht mehr darauf, wohin sie lief,
sondern rannte einfach drauflos. Daher sah sie viel zu spät ein dünnes,
silbernes Geflecht quer über dem Weg schimmern. Eine Spinne hatte es
gebaut. Entsetzt
starrte die kleine Ameise das Spinnennetz an. Dann stolperte sie über eine
Tannennadel und verlor das Gleichgewicht. Sie fuchtelte wild mit den
Armen. Trotzdem fiel sie direkt auf die klebrigen Fäden zu. Jeden
Augenblick würde sie darin gefangen sein.
Im letzten Moment griff jemand nach ihrem Arm und riss sie zur Seite.
Knirps taumelte, und fiel vor dem klebrigen Netz auf den sicheren Boden.
Als sie erleichtert aufsah, stand ein Tier neben ihr, das fast so aussah
wie sie selbst. Aber es war nicht braun wie sie, sondern hatte einen roten
Körper. Solch eine Ameise hatte Knirps noch nie gesehen. Sie erschrak so
sehr, dass sie aufsprang und beinahe doch noch ins Spinnennetz gefallen
wäre. Zum Glück hielt sie das andere Tier fest.
„Was hast du denn?“, fragte es. „Hast du noch nie eine rote Waldameise
gesehen? Ich heiße Trixi.“
Knirps schüttelte den Kopf. „Bist du wirklich eine richtige Ameise?“,
zweifelte sie. „Du siehst so anders aus.“
„Ameisen gibt es in vielen Farben“, wusste ihre Retterin. „Braune
Rasenameisen wie dich, rote Waldameisen
wie
mich und auch schwarze oder gelbe.“
„Erstaunlich“, murmelte Knirps. Trotzdem war ihr die rote Ameise nicht
geheuer.
„Wohin wolltest du denn so eilig?“, fragte Trixi.
Knirps berichtete ihr Missgeschick. Zu ihrem Ärger hielt sich Trixi den
Bauch vor Lachen. „Hihi“, prustete sie. „Ein fliegendes Ameisenmädchen!“
Knirps schmollte, weil Trixi über ihr Unglück lachte. Doch ihr Gekicher
war so ansteckend, dass Knirps nicht anders konnte, als mitzulachen. Trixi
streckte Halt suchend die Arme nach Knirps aus, und bald hielten sie die
beiden unterschiedlichen Ameisen fest umschlungen. Als sie sich wieder
beruhigt hatten, waren sie Freundinnen geworden.
Im Wald wurde es allmählich dämmrig. Knirps würde sich beeilen müssen, um
vor der Dunkelheit am Erdnest zu sein. |
Trixi wollte ihre
neue Freundin begleiten, und so marschierten sie gemeinsam weiter. Nach
Ameisenart trabte Knirps hinter Trixi her.
„Eins, zwei, eins, zwei“, murmelte sie, um nicht aus dem Tritt zu kommen.
Als die Waldameise plötzlich stoppte, wäre Knirps beinahe mit ihr
zusammengestoßen. Neugierig blickte sie ihr über die Schulter - und hielt
erschreckt den Atem an. Vor ihnen
lag eine riesige Pfütze, denn es hatte geregnet. Dahinter konnte Knirps
die Wiese und ihr Nest erkennen. Doch wie sollte sie diese Pfütze
überqueren, die ihr wie ein Meer vorkam? Verzweifelt ließ Knirps den Kopf
hängen.
Inzwischen hatte sich Trixi bereits umgesehen und hatte einen Einfall.
Ungeduldig winkte sie Knirps zu sich. „So wird es gehen“, behauptete sie.
„Das wird dein Rettungsboot.“ „Was hast du vor?“, fragte Knirps
misstrauisch.
“Ganz einfach“, erklärte Trixi. Du krabbelst auf dieses Blatt, ich gebe
dir einen Schubs, und schon schwimmst du über das Wasser.“
„Einfach
nennst du das?“, nörgelte Knirps. „Wenn ich nun kentere?“
Trixi zuckte die Schultern. „Du musst dich eben festhalten“, meinte sie.
„Oder hast du eine bessere Idee?“
Knirps seufzte. Etwas anderes fiel ihr leider auch nicht ein. Sie würde es
versuchen müssen.
Traurig umarmte sie Trixi zum Abschied. „Sehe ich dich wieder?“, fragte
sie.
“Wenn du willst“, nickte Trixi. „Mein Ameisenhügel ist ganz in der Nähe.
Du kannst mich gern besuchen.“ Die Waldameise grinste verschmitzt. „Aber
vielleicht wartest du lieber, bis die Pfütze getrocknet ist. Dann kannst
du zu Fuß kommen und brauchst weder zu fliegen, noch zu schwimmen.“
Knirps lachte. „Ich überleg mir, ob ich solange warte“, versprach sie.
„Obwohl, auf diese Art zu reisen, ist viel aufregender.“
Gemeinsam schoben sie das Blatt ins Wasser, und Knirps kletterte mutig
hinauf. Trixi gab dem Ameisenboot einen festen Stoß. Es trieb bis in die
Mitte der Pfütze, bevor es langsamer wurde.
„Du musst paddeln“, rief Trixi ihrer Freundin vom Ufer zu. Zögernd
streckte die kleine
Ameise die Hände ins Wasser. Bald hatte sie den Bogen raus, und sie kam
sicher am anderen Ufer an. Bis zu ihrem Erdhügel war es jetzt nicht mehr
weit. Als sie dort ankam, ging gerade die Sonne unter.
Die anderen Ameisen hatten sich große Sorgen um Knirps gemacht und waren
froh, dass sie wieder zurück war.
„Wo hast du gesteckt?“, wollte die Anführerin wissen. „Wir haben die ganze
Wiese nach dir abgesucht.“
„Das ist eine lange Geschichte“, schmunzelte Knirps und begann zu
erzählen. |