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An
einem sonnigen Frühlingstag durfte eine kleine Rasenameise zum ersten Mal
das Erdnest verlassen, in dem sie lebte. Sie war nun alt genug, um
mitzuhelfen, Futter für ihr Volk zu sammeln. Knirps, so hieß die kleine
Ameise, war darauf sehr
stolz. Sie wusste, die Futtersammlerinnen wurden von allen sehr geschätzt.
Außerdem macht es bestimmt viel mehr Spaß, draußen herumzulaufen, als
ständig das Nest zu putzen, überlegte sie. Sie konnte es daher kaum
erwarten, bis es losging. Ungeduldig trat sie von einem Fuß auf den
anderen. Endlich war die Gruppe vollzählig.
„Bleibt alle dicht zusammen“, verlangte die Anführerin. „Das gilt
besonders für dich, Knirps. Denk daran, für eine einzelne Ameise ist es
draußen sehr gefährlich.“ Knirps nickte. Na klar, das wusste sie doch
schon.
Dann ging es los. In einer Reihe marschierten die braunen Ameisen aus
ihrem Erdnest hinaus auf die Wiese. Knirps blickte staunend um sich. Sie
liefen durch einen Wald aus grünen
Halmen.
Diese waren viel höher als sie selbst. Was ist das wohl, grübelte Knirps.
„Das ist doch nur Gras“, erklärte ihr eine Ameise gelangweilt. „Jetzt lauf
weiter!“
Doch das war einfacher gesagt, als getan. Ein großer Stein lag auf der
Ameisenstraße. Knirps kam er so hoch wie ein Berg vor. Ächzend und
stöhnend krabbelte sie über ihn hinweg. Die Anführerin blickte Knirps
freundlich an.
„Gut gemacht“, lobte sie. Die kleine Ameise strahlte vor Freude und lief
glücklich weiter.
Bald hatten sie ihr Ziel erreicht.
„Ausschwärmen und Futter suchen!“, befahl die älteste Ameise. „Nur Knirps
bleibt bei mir.“
Wie langweilig, ärgerte sich die kleine Ameise. Sie wollte unbedingt
allein auf Entdeckungsreise gehen. Daher passte sie einen Moment ab, in
dem
die
Anführerin sie nicht im Blick hatte, drängte sich zwischen einigen Gräsern
hindurch und machte sich davon. Geschafft, freute sie sich. Mal gucken,
was es hier Spannendes zu entdecken gibt. Bald fiel ihr eine Pflanze auf.
Sie hatte längliche Blätter, die an den Rändern ausgezackt waren.
Knirps legte den Kopf in den Nacken, um
die hohen Löwenzahn-Blüten anzusehen. Dabei bemerkte sie an manchen
Stängeln dicke, weiße Kugeln. Klasse, dachte Knirps. Das ist bestimmt
leckere Zuckerwatte. Die hole ich mir. Und schon kletterte sie an einem
Stängel nach oben. Das war gar nicht so einfach. Die Pflanze bewegte sich
im Wind, und die kleine Ameise musste sich gut festhalten, um nicht
herunterzufallen. Als sie oben angekommen war, biss sie hungrig in die
Kugel hinein. |
Doch sofort verzog
sie das Gesicht und spuckte das weiße Zeug wieder aus. Igitt,
das schmeckt ja scheußlich, meckerte sie. Was ist das bloß? Nee, so was
esse ich nicht, beschloss Knirps. Sie wollte gerade wieder
herunterklettern, als ein kräftiger Windstoß die Pusteblume traf.
Erschrocken hielt sich Knirps fest. Doch schon spürte sie, wie sich die
einzelnen Fäden lösten. Sie flogen davon – auch der Faden, an dem Knirps
hing. Verzweifelt klammerte sich die kleine Ameise fest. Weit unter sich
sah sie die Wiese und einen kurzen Moment lang auch die erwachsenen
Ameisen, die nach ihr suchten. Wie gerne wäre sie jetzt bei ihnen gewesen.
Doch sie flog und flog, es kam ihr endlos lange vor, bis der Faden wieder
zu Boden sank. Zum Glück landete sie auf weichem Gras und tat sich nicht
weh. Doch als sie merkte, dass sie quer über die Wiese bis zum Waldrand
geflogen war, brach sie in Tränen aus. Ich werde nie wieder zurückfinden,
heulte Knirps.
„Na,
na“, hörte sie da eine leise Stimme flüstern. Knirps hob den Kopf. Vor ihr
saß ein kleines Tier auf einem Blatt. Es trug ein Haus auf dem Rücken.
„Wer bist du denn?“, fragte Knirps.
“Ich bin eine Schnecke“, erklärte das Tier. „Ich wollte gerade
etwas essen, als du vom Himmel gefallen bist.“
Sofort erinnerte sich Knirps wieder an ihr Unglück, und dicke Tränen
liefen über ihr Gesicht. „Ich werde meine Familie niemals wieder sehen“,
schluchzte sie.
„Ach Quatsch“, tröstete die Schnecke. „Du hast doch Beine und kannst
zurücklaufen.“
„Das stimmt“, gab die kleine Ameise zu. „Kommst du mit? Allein fürchte ich
mich.“
„Das geht nicht“, bedauerte die Schnecke. „Ich kann nur langsam kriechen
und würde dich aufhalten. Außerdem habe ich großen Hunger.“ Sie kroch ein
kleines Stück zur Seite und begann zu fressen. Die Schnecke winkte Knirps
zum Abschied zu, dann knabberte sie weiter an ihrem Blatt. Knirps machte
sich auf den Weg. Ihr Herz klopfte vor Angst, denn sie erinnerte sich an
die Warnung der Anführerin.
Wird Knirps den Weg nach Hause
finden? Und welche Abenteuer wird sie dabei erleben?
Wenn du wissen möchtest, wie die Geschichte weitergeht, schau doch
nächsten Monat wieder herein! |