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Weißt du noch, was im ersten Teil
geschehen ist? Wenn nicht, solltest du vielleicht im Archiv noch einmal
nachlesen!
... Pitt steckte
vorsichtig den Zeigefinger in den Trank und kostete.
"Oh
je! Du hast Salz statt Zucker erwischt", flüsterte Pitt Max zu. Max wurde
vor Schreck ganz blass.
"Jetzt können wir nur noch eins versuchen", meinte Pitt leise. "Ich habe
noch eine letzte Flasche Zuckersirup in der Vorratskammer. Vielleicht
hilft es, wenn wir sie dazu mischen. Hol sie, ich kümmere mich derweil um
den Käpt’n." Max war einverstanden und zwängte sich in den engen Raum, den
Pitt ihm zeigte.
"Das soll eine Vorratskammer sein?", murrte Max als er sich umgeschaut
hatte. "Die Flaschen und Dosen sind ja fast alle leer."
Obwohl er in allen Regalen suchte, den Zuckersirup fand er nicht. Seufzend
bückte er sich, um auch noch die Flaschen zu prüfen, die auf dem Boden
lagen. Nichts! Kein Zuckersirup! Max ließ enttäuscht den Kopf hängen – und
schaute genau auf eine weitere Flasche. Sie war ganz nach hinten in eine
Ecke gerollt, daher hatte Max sie bisher nicht gesehen. Ein
zusammengerollter Zettel steckte darin.
Max schüttelte das Papier heraus und zog
es vorsichtig auseinander. Eine Insel war darauf abgebildet und seltsame
Zeichen. "Pitt, Käpt’n!", rief Max aufgeregt. "Schaut was ich gefunden
habe!"
"Die Schatzkarte!", jubelte der Kapitän, als Max ihm die
Karte zeigte. Er drückte den Jungen fest an sich und wirbelte ihn im Kreis
herum. Max schnappte lachend nach Luft. Einen Moment später rannte der
Kapitän aus der Kombüse.
"Jetzt lässt er sofort neuen Kurs setzen", wusste Pitt. "Den versalzenen
Trunk hat er zum Glück völlig vergessen."
Nach einiger Zeit erreichte das Piratenschiff die Schatzinsel. In zwei
kleinen Booten setzten die Piraten zur Insel über. Max durfte mitfahren -
sogar im Boot des Käpt’n!
An Land studierte der Kapitän die Schatzkarte ganz genau. "Zuerst suchen
wir eine Palme mit zwei Stämmen!", befahl er. "Von ihr aus gehen wir exakt
fünfzig Schritte nach Norden."
Die Piraten schwärmten suchend aus. Ein Pirat mit einem gewaltigen roten
Schnurrbart entdeckte
schließlich
den doppelstämmigen Baum. Sein Freudenschrei rief alle Männer und Max
zusammen.
"Gut gemacht, Rotbart!", lobte der Kapitän. "Jetzt die Schritte abzählen!"
Laut zählend marschierten die Piraten genau fünfzig Schritte nach Norden
und blieben vor einem kleinen See stehen. Enten brüteten am Ufer und im
Hintergrund plätscherte ein kleiner Wasserfall von einer Felswand
herunter.
Doch die Piraten schenkten der Schönheit des Teiches keine Beachtung. Alle
starrten nur gespannt auf die Schatzkarte. "Zwei und einen halben Meter in
der kühlen Tiefe findest du den Schatz!", las der Kapitän daraus vor. "Das
übernimmst du, Fisch!", bestimmte er und schaute einen der Männer an. "Du
bist der beste Taucher von
uns allen."
Fisch brummte zustimmend. Er band sein Schwert ab und zog die Stiefel aus.
Mit einem lauten Platsch sprang er in den See. "Wir nennen ihn Fisch, weil
er fast zwei Minuten unter Wasser bleiben kann", flüsterte Pitt Max ins
Ohr. Max war beeindruckt.
Max kam es endlos lange vor, bis Fisch endlich wieder
auftauchte. Doch der schüttelte nur mit dem Kopf und tauchte erneut. Und
wieder und wieder. |
Nach
unzähligen Versuchen gab Fisch außer Atem auf. Er hatte den Schatz nicht
gefunden. Keuchend kletterte er ans Ufer.
Die Piraten waren enttäuscht.
"Vielleicht ist uns jemand zuvorgekommen", überlegte Rotbart laut.
"So muss es sein!“, stimmte der Kapitän zu. Tröstend klopfte er Fisch auf
die Schulter.
Während sich die Piraten um Fisch scharrten, lief Max ein Stück am
Teichufer entlang. "In der kühlen Tiefe, in der kühlen Tiefe…",
wiederholte er nachdenklich.
Max fröstelte. Ein kühler Sprühnebel wehte vom Wasserfall herüber. Max
hatte gar
nicht gemerkt, dass er bereits beim Wasserfall angekommen war. Plötzlich
hatte er eine Idee. Was, wenn mit der kühlen Tiefe gar nicht der Teich
gemeint war?
Vielleicht ist der Schatz hinter dem Wasserfall, grübelte
Max. Sollte er dem Kapitän von seinem Einfall erzählen? Doch die Piraten
hatten die Schatzsuche bereits aufgegeben. Sie standen um Fisch herum,
während dieser sich anzog, und schimpften auf den unbekannten Dieb. Max
beschloss es allein zu versuchen.
Er atmete tief ein und hielt die Luft an. Dann trat er unter den
Wasserfall. Das Wasser war eisig kalt. Am liebsten wäre er sofort wieder
zurückgesprungen. Trotzdem streckte er die Arme aus und tastete nach der
Felswand. Nichts! Zumindest kein Fels! Stattdessen tat sich eine kleine
Höhle auf. Max machte zwei mutige Schritte nach vorn – und stand aufatmend
in einem trockenen Felsloch. Die Höhle war wirklich sehr eng, stellte er
fest. Der größte Teil wurde von einer gewaltigen Holzkiste
eingenommen. Sie war mit einem Vorhängeschloss und Ketten gesichert und so
schwer, dass Max sie nicht hochheben konnte. Hastig trat er aus der Höhle
heraus. "Käpt’n, Käpt’n", brüllte er so laut wie er konnte. "Ich habe den
Schatz gefunden!"
"Was? Wirklich?"
"Unglaublich!"
Die Piraten stürmten auf Max zu.
"Hinter dem Wasserfall ist eine riesige Kiste versteckt", berichtete Max
aufgeregt.
"Das muss unser Schatz sein", meinte auch der Kapitän, als Pitt und
Rotbart die Kiste anschleppten.
"Aber die Truhe ist verschlossen!", erinnerte Max.
"Kein Problem!", feixte der Käpt’n. Er zog einen Schlüssel aus der Tasche.
"Der müsste passen."
Ungläubig beobachtete Max wie der Kapitän umständlich die Kiste
aufschloss. "Woher hat er den Schlüssel?", fragte er Pitt.
"Von Ralph", antwortete Pitt und lachte.
"Ralph
verkauft uns die Vorräte, die wir brauchen. Da Piraten aber nicht wie
andere Leute zum Einkaufen in einen Laden gehen, versteckt er die Kiste
mit unseren Sachen. Jedes Mal an einem anderen Ort. Dann schickt er uns
den Schlüssel und eine Schatzkarte. Sag doch selbst, macht es so nicht
viel mehr Spaß?“
"Jawoll!", schrieen die Piraten. "Das macht es! Und wir haben dank Max
endlich wieder etwas Gutes zu essen und zu trinken an Bord."
Wieder auf dem Schiff angekommen,
setzten die Piraten Kurs auf den Strand, an dem Max’ Vater immer noch
friedlich schlummerte. Während sie über das Meer segelten, feierten alle
zusammen ein rauschendes Fest und tranken literweise Piratentrunk.
Natürlich ganz ohne Salz! Diesmal hatte Max beim Abmessen des Zuckers
besser aufgepasst. |