März 06
 

Für Kids Geschichten Wissenswertes Geburtstage Spiele

 


 

M a x   u n d   d i e   P i r a t e n

( T e i l   2)
 


 

Weißt du noch, was im ersten Teil geschehen ist? Wenn nicht, solltest du vielleicht im Archiv noch einmal nachlesen!

... Pitt steckte vorsichtig den Zeigefinger in den Trank und kostete.
"Oh je! Du hast Salz statt Zucker erwischt", flüsterte Pitt Max zu. Max wurde vor Schreck ganz blass.
"Jetzt können wir nur noch eins versuchen", meinte Pitt leise. "Ich habe noch eine letzte Flasche Zuckersirup in der Vorratskammer. Vielleicht hilft es, wenn wir sie dazu mischen. Hol sie, ich kümmere mich derweil um den Käpt’n." Max war einverstanden und zwängte sich in den engen Raum, den Pitt ihm zeigte.
"Das soll eine Vorratskammer sein?", murrte Max als er sich umgeschaut hatte. "Die Flaschen und Dosen sind ja fast alle leer."
Obwohl er in allen Regalen suchte, den Zuckersirup fand er nicht. Seufzend bückte er sich, um auch noch die Flaschen zu prüfen, die auf dem Boden lagen. Nichts! Kein Zuckersirup! Max ließ enttäuscht den Kopf hängen – und schaute genau auf eine weitere Flasche. Sie war ganz nach hinten in eine Ecke gerollt, daher hatte Max sie bisher nicht gesehen. Ein zusammengerollter Zettel steckte darin.
Max schüttelte das Papier heraus und zog es vorsichtig auseinander. Eine Insel war darauf abgebildet und seltsame Zeichen. "Pitt, Käpt’n!", rief Max aufgeregt. "Schaut was ich gefunden habe!"
"Die Schatzkarte!", jubelte der Kapitän, als Max ihm die Karte zeigte. Er drückte den Jungen fest an sich und wirbelte ihn im Kreis herum. Max schnappte lachend nach Luft. Einen Moment später rannte der Kapitän aus der Kombüse.
"Jetzt lässt er sofort neuen Kurs setzen", wusste Pitt. "Den versalzenen Trunk hat er zum Glück völlig vergessen."
Nach einiger Zeit erreichte das Piratenschiff die Schatzinsel. In zwei kleinen Booten setzten die Piraten zur Insel über. Max durfte mitfahren - sogar im Boot des Käpt’n!
An Land studierte der Kapitän die Schatzkarte ganz genau. "Zuerst suchen wir eine Palme mit zwei Stämmen!", befahl er. "Von ihr aus gehen wir exakt fünfzig Schritte nach Norden."
Die Piraten schwärmten suchend aus. Ein Pirat mit einem gewaltigen roten Schnurrbart entdeckte schließlich den doppelstämmigen Baum. Sein Freudenschrei rief alle Männer und Max zusammen.
"Gut gemacht, Rotbart!", lobte der Kapitän. "Jetzt die Schritte abzählen!"
Laut zählend marschierten die Piraten genau fünfzig Schritte nach Norden und blieben vor einem kleinen See stehen. Enten brüteten am Ufer und im Hintergrund plätscherte ein kleiner Wasserfall von einer Felswand herunter.
Doch die Piraten schenkten der Schönheit des Teiches keine Beachtung. Alle starrten nur gespannt auf die Schatzkarte. "Zwei und einen halben Meter in der kühlen Tiefe findest du den Schatz!", las der Kapitän daraus vor. "Das übernimmst du, Fisch!", bestimmte er und schaute einen der Männer an. "Du bist der beste Taucher von uns allen."
Fisch brummte zustimmend. Er band sein Schwert ab und zog die Stiefel aus. Mit einem lauten Platsch sprang er in den See. "Wir nennen ihn Fisch, weil er fast zwei Minuten unter Wasser bleiben kann", flüsterte Pitt Max ins Ohr. Max war beeindruckt.
Max kam es endlos lange vor, bis Fisch endlich wieder auftauchte. Doch der schüttelte nur mit dem Kopf und tauchte erneut. Und wieder und wieder.

Nach unzähligen Versuchen gab Fisch außer Atem auf. Er hatte den Schatz nicht gefunden. Keuchend kletterte er ans Ufer.
Die Piraten waren enttäuscht.
"Vielleicht ist uns jemand zuvorgekommen", überlegte Rotbart laut.
"So muss es sein!“, stimmte der Kapitän zu. Tröstend klopfte er Fisch auf die Schulter.
Während sich die Piraten um Fisch scharrten, lief Max ein Stück am Teichufer entlang. "In der kühlen Tiefe, in der kühlen Tiefe…", wiederholte er nachdenklich.
Max fröstelte. Ein kühler Sprühnebel wehte vom Wasserfall herüber. Max hatte gar nicht gemerkt, dass er bereits beim Wasserfall angekommen war. Plötzlich hatte er eine Idee. Was, wenn mit der kühlen Tiefe gar nicht der Teich gemeint war?
Vielleicht ist der Schatz hinter dem Wasserfall, grübelte Max. Sollte er dem Kapitän von seinem Einfall erzählen? Doch die Piraten hatten die Schatzsuche bereits aufgegeben. Sie standen um Fisch herum, während dieser sich anzog, und schimpften auf den unbekannten Dieb. Max beschloss es allein zu versuchen.
Er atmete tief ein und hielt die Luft an. Dann trat er unter den Wasserfall. Das Wasser war eisig kalt. Am liebsten wäre er sofort wieder zurückgesprungen. Trotzdem streckte er die Arme aus und tastete nach der Felswand. Nichts! Zumindest kein Fels! Stattdessen tat sich eine kleine Höhle auf. Max machte zwei mutige Schritte nach vorn – und stand aufatmend in einem trockenen Felsloch. Die Höhle war wirklich sehr eng, stellte er fest. Der größte Teil wurde von einer gewaltigen Holzkiste eingenommen. Sie war mit einem Vorhängeschloss und Ketten gesichert und so schwer, dass Max sie nicht hochheben konnte. Hastig trat er aus der Höhle heraus. "Käpt’n, Käpt’n", brüllte er so laut wie er konnte. "Ich habe den Schatz gefunden!"
"Was? Wirklich?"
"Unglaublich!"
Die Piraten stürmten auf Max zu.
"Hinter dem Wasserfall ist eine riesige Kiste versteckt", berichtete Max aufgeregt.
"Das muss unser Schatz sein", meinte auch der Kapitän, als Pitt und Rotbart die Kiste anschleppten.
"Aber die Truhe ist verschlossen!", erinnerte Max.
"Kein Problem!", feixte der Käpt’n. Er zog einen Schlüssel aus der Tasche. "Der müsste passen."
Ungläubig beobachtete Max wie der Kapitän umständlich die Kiste aufschloss. "Woher hat er den Schlüssel?", fragte er Pitt.
"Von Ralph", antwortete Pitt und lachte. "Ralph verkauft uns die Vorräte, die wir brauchen. Da Piraten aber nicht wie andere Leute zum Einkaufen in einen Laden gehen, versteckt er die Kiste mit unseren Sachen. Jedes Mal an einem anderen Ort. Dann schickt er uns den Schlüssel und eine Schatzkarte. Sag doch selbst, macht es so nicht viel mehr Spaß?“
"Jawoll!", schrieen die Piraten. "Das macht es! Und wir haben dank Max endlich wieder etwas Gutes zu essen und zu trinken an Bord."
Wieder auf dem Schiff angekommen, setzten die Piraten Kurs auf den Strand, an dem Max’ Vater immer noch friedlich schlummerte. Während sie über das Meer segelten, feierten alle zusammen ein rauschendes Fest und tranken literweise Piratentrunk. Natürlich ganz ohne Salz! Diesmal hatte Max beim Abmessen des Zuckers besser aufgepasst.

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