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Max war
mit seinem Vater verreist. Mit dem Flugzeug waren sie auf eine große Insel
geflogen. Den Namen der Insel hatte Max wieder vergessen, aber das war ihm
egal. Übermütig rannte er am Strand entlang. Um den Kopf hatte er sich ein
buntes Tuch gebunden, und er tat so, als wäre er ein Pirat.
Max entdeckte ein altes Fass. Es schaukelte im flachen Wasser hin und her.
Max stieß einen wilden Piratenschrei aus. Denn in seiner Vorstellung war
das Fass ein Segelschiff voller Schätze. Max kniff die Augen zusammen.
Fast glaubte er tatsächlich die Besatzung an Deck zu sehen, die ihn, den
wilden Piraten, ängstlich anstarrte.
"Ergebt euch!", schrie Max als er das Fass erreichte. "Euer Schiff wird
jetzt geentert!"
Max zog sich am Rand des Fasses hoch. Er strampelte mit den Beinen, bis er
mit den Füßen am Holz Halt fand und ließ sich hineinplumpsen.
"Geschafft!", jubelte Max. "Papa guck mal, ich habe das Schiff geentert!"
Doch
sein Vater, der ein Stück entfernt auf einem Handtuch gelesen hatte, war
eingedöst. Er hörte ihn nicht. Max rief noch einmal, dann zuckte er mit
den
Schultern. Typisch sein Vater! Kaum lag er im Sand, wollte er in Ruhe
lesen - und schlief prompt ein. Langweilig, fand Max. Er würde jetzt
jedenfalls versuchen, mit dem geenterten Schiff davon zu segeln.
Max wackelte mit dem Fass heftig hin und her. Und es gelang ihm
tatsächlich, das Fass zum Schwimmen zu bekommen. Langsam trieb es mit der
Strömung am Strand entlang. "Cool!", freute sich Max. Dann entdeckte er am
Boden des Fasses ein Schmuckstück. Es schimmerte, als die Sonne darauf
schien.
"Klasse!", strahlte Max und steckte sich den Ohrring an. Dann machte er es
sich im Fass gemütlich und begann von einem neuen Piratenabenteuer zu
träumen. Gerade war er in einen aufregenden Schwertkampf verwickelt, als
das Fass gegen etwas Hartes stieß. Das dumpfe Geräusch weckte Max. Hastig
rappelte er sich auf und spähte über den Rand des Fasses. Die Strömung
hatte ihn ein ganzes Stück aufs Meer hinausgetrieben, stellte er fest. Als
er den Kopf drehte, erkannte er verblüfft, wogegen das Fass geknallt war.
Eine hölzerne Schiffswand ragte vor ihm auf. Max schluckte. Er war mit
einem Segelschiff zusammengestoßen!
"Fang!", hörte er jemanden rufen, und eine Strickleiter wurde ihm
zugeworfen. "Los, hoch mit dir!"
Max blieb nichts Anderes übrig, als die wackelige Leiter hinaufzuklettern.
Oben halfen ihm zwei kräftige Arme über die Reling. Überrascht sah Max
sich um. Ein Dutzend verwegene Gestalten stand um ihn herum. Die Männer
trugen bunte, oft geflickte Kleidung. Auf dem Kopf trugen sie entweder
einen dunklen Hut oder ebenfalls ein Tuch wie Max. Jeder von ihnen hatte
ein Schwert in der Hand oder am
Gürtel hängen. Max kam ein furchtbarer Verdacht. Er blickte zu den Masten
des Schiffes hoch und erkannte sofort die schwarze Fahne, die an einer
Mastspitze befestigt war.
Es war ein Piratenschiff!
"Wen haben wir denn da?", brummte der
Pirat, der Max hinaufgezogen hatte.
"Du bist wohl noch ein Mini-Pirat, was?"
Er begann schallend zu lachen. Die anderen Männer stimmten ein. Max verzog
den Mund zu einem schiefen Grinsen. Er war erleichtert, dass sie es nicht
böse mit ihm meinten.
"Ruhig, der Käpt’n kommt!", warnte ein Pirat mit dunkler Augenklappe. "Und
er hat mächtig schlechte Laune!", fügte er noch hinzu. "Er hat nämlich
seine Schatzkarte verloren. Und eine Schatzsuche ohne Karte..." |
Bedrückt schüttelte er den Kopf.
Die Piraten beeilten sich ihrem Kapitän Platz zu machen. Er stapfte in
hohen
Lederstiefeln auf Max zu und blieb genau vor ihm stehen. Missmutig starrte
er auf den Jungen hinunter. Max stockte der Atem.
"Wen habt ihr da bloß aufgefischt?", fragte der Kapitän gereizt. "Kannst
du nicht sprechen?", fuhr er Max an.
"D-doch", stotterte Max.
Der Pirat mit der dunklen Augenklappe legte den Arm um Max. "Er käme uns
als Schiffsjunge gerade Recht, Käpt’n", schlug er vor. "Ich könnte in der
Kombüse wirklich Hilfe gebrauchen."
"Meinetwegen!", brummte der Kapitän. "Und jetzt alle an die Suche! Wir
müssen die Schatzkarte finden, die ihr
Dummköpfe
verloren habt."
Er stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf und scheuchte die Piraten davon. Nur
der Pirat mit der Augenklappe blieb bei Max. "Keine Angst!", tröstete er.
"Er meint es nicht so. Wie heißt du überhaupt? Ich bin Pitt."
"Ich heiße Max", stellte sich der Junge vor. "Aber eigentlich bin ich kein
Pirat."
"Das habe ich mir schon gedacht", meinte Pitt. "Aber jetzt kommst du erst
mal mit in die Kombüse. Weißt du was das ist?"
"Na klar", sagte Max, "das ist die Küche."
"Richtig!", nickte Pitt. "Ich war gerade damit beschäftigt, einen echten
Piratentrank zu mischen. Du kannst mir dabei helfen. Vorher lassen wir
dich aber noch etwas älter aussehen", schmunzelte er.
In der Kombüse holte er ein Stück angekohltes Holz aus dem Herd und malte
Max einen dicken Schnurbart und etliche Bartstoppeln ins Gesicht und
drückte ihm ein Schwert in die Hand. "Schon
besser!", lachte er.
Max grinste, als Pitt ihm sein Spiegelbild in einer glänzenden
Kupferpfanne zeigte. Dann blickte er sich neugierig in der Kombüse um. Auf
einem Tisch stand eine große Schüssel mit einer roten Flüssigkeit. "Das
ist bestimmt der Piratentrank", vermutete Max.
"Genau, und er ist fast fertig", erklärte Pitt und drückte Max einen
Rührlöffel in die Hand. "Zwei Zutaten fehlen aber noch!"
Er schüttete aus einer großen Flasche etwas in das Getränk, das Max
sorgfältig unterrührte. Gerade streckte Pitt die Hand nach der letzten
Zutat aus, als sie den Käpt’n die Treppe hinunterpoltern hörten. "Wo
bleibt der Trank? Ich verdurste!", meckerte er.
"Schnell, noch fünf Löffel Zucker dazu", drängte Pitt. "Ich halte ihn
solange auf. Beeil dich!" Er verließ eilig die Kombüse.
Max griff hastig zu seinem Löffel. Dann zögerte er. Wo war der Zucker?
Endlich entdeckte er einen kleinen Beutel mit weißen Kristallen darin.
Erleichtert füllte er fünf große Löffel voll ab und rührte sie unter.
Schon war der Kapitän in der
Kombüse. Hinter ihm stand Pitt und blickte
Max fragend an. Max nickte ihm zu.
Pitt strahlte. "Der Trank ist fertig, Käpt’n." Er schöpfte für den Kapitän
einen großen Becher voll. "Wohl bekomm’s!"
Der Kapitän knurrte nur und kippte den Trank auf einen Zug hinunter.
Plötzlich lief sein Gesicht feuerrot an. Er spuckte den Saft in weitem
Bogen aus und rang keuchend nach Luft. "Furchtbar! Willst du mich
vergiften, Pitt?", tobte er und bekam einen Hustenanfall. Pitt steckte
vorsichtig den Zeigefinger in den Trank und kostete.
Willst du wissen, was Max in den Trank
getan hat, und wie die Geschichte weitergeht? Dann musst du uns nächsten
Monat wieder besuchen!
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