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Als ich zusammen mit meinen
gleich aussehenden Kollegen in den bunten Weihnachtsteller gelegt wurde,
war mir schnell klar, jetzt heißt es warten und reifen bis zum Fest. Ich
roch herrlich nach Butter und Rum und meine Zuckerglasur stand mir
besonders gut.
"He", rief ein dicker Marzipankartoffel neben mir, "mach dich nicht so
breit!"
"Du musst reden", beschwerte sich ein
herrlich aussehendes Kokosbusserl rechts von mir, "du machst dich doch
breit wie ein fetter Christstollen". Sie lächelte mir freundlich zu und
ich strahlte zurück. Was wäre wohl, träumte ich, wenn wir unsere Zutaten
zusammenmischten?
Es käme bestimmt etwas besonders Süßes heraus.
Ich sah mich um. Ein bisschen eng war’s schon auf diesem bunten Teller,
aber die Farbenpracht und der Geruch waren einmalig. Ich freute mich schon
auf den großen Tag, wenn eine kleine Kinderhand nach mir greifen und mich
genussvoll verschlingen würde.
Das
ist eben für uns Plätzchen die Krönung. Mein nettes Kokosbusserl neben mir
war eingeschlafen. Sein zarter Duft machte mich ganz schwindelig.
"Bist du neu hier?" Ich äugte nach links oben, von wo diese tiefe Stimme
kam und schaute auf den wohl bestgelungenen Gewürzlebkuchen aller Zeiten.
Er strotze nur so vor Rosinen und Schokostückchen.
"Ja, ich bin noch ganz warm", sagte ich.
"Du siehst sehr appetitlich aus, so rund und saftig", lobte er mich.
"Danke, aber nichts gegen dich. Du bist fantastisch." Der Lebkuchen
räkelte sich richtig unter meinem Kompliment. "Stimmt ich bin wirklich gut
gelungen. Die Hausherrin probierte ein neues Rezept. Sie hat sich sehr
viel Mühe gegeben".
"Ach Papperlapapp", schimpfte der dick e Marzipankartoffel auf ein Neues.
"Ihr mit eurem Geschwätz. Spätestens bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag
werdet ihr einfach in volle Bäuche gestopft und keiner wird sich mehr an
euer Aussehen erinnern oder an euren Geruch. Ihr seid eingebildete
Narren." |
"Vielleicht hast du Recht", pflichtete ich ihm bei, "aber unsere Aufgabe
ist es nun mal, gut auszusehen und zu schmecken."
"Wenn du so weiter meckerst", lachte ein Butterplätzchen schräg oben von
uns, "wird dich keiner mehr vernaschen, weil du nämlich bis dahin sauer
geworden bist."
Wir lachten alle schallend und der Marzipankartoffel wurde ganz
dunkelbraun vor Wut. Mein süßes Kokosbusserl war aufgewacht und hatte uns
eine Weile wortlos zugehört.
"Versteht ihr denn den Sinn dieses Festes überhaupt nicht? Es geht doch
nicht darum, wer am besten gelungen ist, die schönste Farbe hat und am
leckersten schmeckt. Oder wer den besten Platz im runden Teller hat.
Wichtig ist nur, dass wir alle wie wir hier liegen, Freude bereiten und
dazu beitragen, dass es ein gelungenes und frohes Fest wird.
Und wenn wir uns bis dahin alle vertragen, werden sich unsere Aromen
vermischen und wir alle werden unvergesslich schmecken."
Es wurde sehr still im bunt gemischten Weihnachtsteller. Der
Marzipankartoffel rutschte noch ein bisschen weiter nach unten, aber er
sagte nichts mehr. Die anderen nickten zustimmend.
Ich schaute stolz auf mein kleines Kokosbusserl, denn was es gerade gesagt
hatte, war wohl das beste Rezept, das je geschrieben worden war.
Bis zum heiligen Abend hielt sich sogar der ewig meckernde
Marzipankartoffel zurück, und es herrschte Friede am Weihnachtsteller.
Und zu Weihnachten, als die Kinder uns vernaschten, rieben sich alle die
Bäuche und man hörte „Mmmmmh" hier und „Aaaaaah" dort. Die Kekse von
unserem Weihnachtsteller schmeckten so gut wie von keinem anderen.
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