September 04
 

Für Kids Geschichten Wissenswertes Geburtstage Spiele

 

Die Geschichte des Monats:

Das Nilpferdkind
und die Schule



Eines Morgens stand das Nilpferdkind am Fluss und guckte ins Wasser.
"Mama!" rief es. "Da ist einer, ich will mit ihm spielen!"
"Nilpferdchen", sagte die Nilpferdmutter, "das ist kein anderer. Das bist du selbst!"
Das Nilpferdkind wollte ihr zuerst nicht glauben, dann aber glaubte es ihr. Der Gedanke an andere Kinder ging ihm jedoch nicht mehr aus dem Kopf. Die Nilpferdmutter schimpfte: "Da sieht man wieder, wie gefährlich sauberes Wasser ist. Wäre es ordentlich dreckig, wärst du nie auf diese Idee gekommen!"
Sie spielte Schlammspritzen und Rückenklettern und Ins-Wasser-Spucken und Maul-Aufreißen mit dem Nilpferdkind. Das war lustig, aber das Nilpferdkind hatte trotzdem Sehnsucht nach anderen Kindern. Die Sehnsucht wurde von Tag zu Tag schlimmer.
"Gibt's hier irgendwo Kinder?" fragte das Nilpferdkind den kleinen Vogel, der manchmal kam und sich auf seinem Kopf ausruhte.
"Doch!" zwitscherte der Vogel. "Drüben auf dem Affenbrotbaum, da ist die Affenschule, dort gibt es Kinder, mehr als genug!"
Nun plagte das Nilpferdkind seine Mutter damit, dass es zu den Affen gehen wollte.
"Das schickt sich nicht für Nilpferde", sagte die Nilpferdmutter, "dort lernst du lauter Affenkram."
Aber schließlich ließ sie sich erweichen. Sie schmierte das Nilpferdkind schön mit Schlamm ein und ließ es losziehen.
Es stampfte zum Affenbrotbaum. Plötzlich prasselten viele kleine harte Früchte auf seinen Nilpferdrücken. Das Nilpferdkind blickte in die Höhe. Auf den Ästen saßen viele Affenkinder, die schnatterten durcheinander und riefen: "Na, Dicker? Was willst du denn da?"
"Ich möchte mit euch in die Schule gehen", sagte das Nilpferdkind.
Da lachten die Affen so laut, dass der Ast schwankte und der kleinste Affe herunterplumpste und auf dem Nilpferdpopo landete.
In diesem Augenblick schrie einer: "Er kommt!"
Das Geschnatter hörte auf, das Werfen hörte auf, alle Affen saßen auf dem Ast und spitzten die Münder und ließen die Beine baumeln und sahen sehr artig aus.
Ein großer Affe mit weißen Haarbüscheln an den Ohren kam über die Wiese und fragte: "Was machst du denn da?"
"Ich möchte gern hier in die Schule gehen", sagte das Nilpferdkind. "Bitte!"
Der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren wiegte den Kopf hin und her. Nach einer Weile brummte er: "Na schön. Wir wollen es versuchen. Setz dich zu den anderen!"
Das Nilpferdkind nahm einen Anlauf und donnerte auf den Baum zu, dass die Erde bebte, aber sosehr es die dicken Beine auch in die Höhe riss, es schaffte nur einen ganz kleinen Hopser. Auch beim zweiten, dritten, selbst beim siebenten und achten Mal wurde kein Sprung aus dem Hopser. Die Affen schüttelten sich vor Lachen.
"Nicht einmal auf den Baum springen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen. Da rief ein Affe: "Wir können es hochziehen!"
Die Affen schleppten Lianen heran und wickelten das Nilpferdkind darin ein. Dann sprangen sie alle auf den Baum und schrieen: "Ho ruck!" Alle begannen zu ziehen. Das Nilpferdkind versuchte, sich federleicht zu denken. Es spürte tatsächlich, wie es hoch gehoben wurde, aber dann ... wurde mit einemmal der ganze Baum nach unten gebogen.

Plötzlich rissen die Lianen, und das Nilpferdkind lag auf dem Boden und die Affen fielen vom Baum - auf das Nilpferdkind drauf. Es gab ein Geschrei und ein Gekreische und ein Geschnatter, als jeder versuchte, seine Arme und Beine aus dem Gewirr herauszuziehen.
"Nein, nein, nein!" schimpfte der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren. "So geht das nicht! Setzt euch alle im Kreis unter dem Baum!"
Die Affen und das Nilpferdkind setzten sich.
"Das soll ein Kreis sein?" Der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren schüttelte den Kopf, dann erklärte er: "Wir üben nun das Läusleinsuchen."
Jeder Affe suchte seinen Nachbarn nach Läusen ab. Alle Affen konnten das sehr gut. Nur das Nilpferdkind hatte Schwierigkeiten. Stampferbeine sind zum Läusleinsuchen gar nicht geeignet. Die Affen schüttelten sich vor Lachen.
"Nicht einmal Läusleinsuchen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen. Der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren seufzte: "Also gut, wir üben jetzt Bockspringen!"
Die Affen stellten sich in einer Reihe auf, legten die Hände auf den Boden, reckten den Po in die Höhe, und der letzte in der Reihe sprang über die anderen und stellte sich dann vorne hin. Das ging so lange gut, bis das Nilpferdkind an der Reihe war. Es landete mit seinem ganzen Nilpferdgewicht auf dem ersten Affen. Der sagte zuerst gar nichts und lag nur platt gedrückt da, dann kreischte er umso lauter. Die anderen Affen schüttelten sich vor Lachen.
"Nicht einmal Bockspringen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen.
"Es geht einfach nicht", sagte der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren. "Eine Affenschule ist wirklich nichts für Nilpferde. Das musst du einsehen!"
Das Nilpferdkind konnte nichts sehen und nichts einsehen. Seine Augen brannten und sein Hals kratzte. Plötzlich spürte es etwas Warmes, Freundliches. Ein kleiner Affe war ihm auf den Kopf gesprungen und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Das Flüstern kitzelte so, dass das Nilpferdkind kein Wort verstand.
Dann aber hörte es, wie der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren sagte: "Du könntest unser Pausenkind sein. In den Pausen kannst du mit den anderen Kindern spielen."
Das Nilpferdkind war nicht mehr sicher, ob es mit diesen Auslachaffen spielen wollte, aber da hüpfte der kleine Affe auf seinem Rücken auf und ab und brüllte: "Ich hab eine Idee! Wir spielen Zielwerfen!"
"Ja!" brüllten die Affen.
Das Nilpferdkind musste das Maul aufreißen und die Affen warfen Bananen und andere Früchte hinein. Sie lachten laut dabei, aber es klang jetzt anders als vorhin, und das Nilpferdkind konnte mitlachen. Dann spielten sie Eisenbahn, und das Nilpferdkind war die Lokomotive, und dann Weitspucken, und das Nilpferdkind gewann.
Die Nilpferdmutter fing schon an, sich Sorgen zum machen, als das Nilpferdkind endlich nach Hause kam.
"Na? Bist du jetzt ein Schulkind?" fragte sie.
"Nein, aber ein Pausenkind!" sagte das Nilpferdkind und gähnte.
Die Nilpferdmutter gab ihm einen zärtlichen Schubs. "Und jetzt schnell in den Schlamm! So sauber gehst du mir nicht ins Bett!"
Das Nilpferdkind wälzte sich einmal hin und einmal her. Für heute musste das genügen.
"Und morgen gehe ich wieder in die Pause", dachte es.

 

ENDE

 Weiter
 

© 2003 VS Guntramsdorf
Design und Inhalte von Karin Brunowsky
Die VS Guntramsdorf distanziert sich von den Inhalten verlinkter Seiten und kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden.