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Die
Geschichte des Monats:
Das Nilpferdkind
und die Schule
Eines Morgens stand das Nilpferdkind am Fluss und guckte ins Wasser.
"Mama!" rief es. "Da ist einer, ich will mit ihm spielen!"
"Nilpferdchen", sagte die Nilpferdmutter, "das ist kein anderer. Das bist
du selbst!"
Das Nilpferdkind wollte ihr zuerst nicht glauben, dann aber glaubte es
ihr. Der Gedanke an andere Kinder ging ihm jedoch nicht mehr aus dem Kopf.
Die Nilpferdmutter schimpfte: "Da sieht man wieder, wie gefährlich
sauberes Wasser ist. Wäre es ordentlich dreckig, wärst du nie auf diese
Idee gekommen!"
Sie spielte Schlammspritzen und Rückenklettern und Ins-Wasser-Spucken und
Maul-Aufreißen mit
dem Nilpferdkind. Das war lustig, aber das Nilpferdkind hatte trotzdem
Sehnsucht nach anderen Kindern. Die Sehnsucht wurde von Tag zu Tag
schlimmer.
"Gibt's hier irgendwo Kinder?" fragte das Nilpferdkind den kleinen Vogel,
der manchmal kam und sich auf seinem Kopf ausruhte.
"Doch!" zwitscherte der Vogel. "Drüben auf dem Affenbrotbaum, da ist die
Affenschule, dort gibt es Kinder, mehr als genug!"
Nun plagte das Nilpferdkind seine Mutter damit, dass es zu den Affen gehen
wollte.
"Das schickt sich nicht für Nilpferde", sagte die Nilpferdmutter, "dort
lernst du lauter Affenkram."
Aber schließlich ließ sie sich erweichen. Sie schmierte das Nilpferdkind
schön m it Schlamm ein und ließ es losziehen.
Es stampfte zum Affenbrotbaum. Plötzlich prasselten viele kleine harte
Früchte auf seinen Nilpferdrücken. Das Nilpferdkind blickte in die Höhe.
Auf den Ästen saßen viele Affenkinder, die schnatterten durcheinander und
riefen: "Na, Dicker? Was willst du denn da?"
"Ich möchte mit euch in die Schule gehen", sagte das Nilpferdkind.
Da lachten die Affen so laut, dass der Ast schwankte und der kleinste Affe
herunterplumpste und auf
dem Nilpferdpopo landete.
In diesem Augenblick schrie einer: "Er kommt!"
Das Geschnatter hörte auf, das Werfen hörte auf, alle Affen saßen auf dem
Ast und spitzten die Münder und ließen die Beine baumeln und sahen sehr
artig aus.
Ein großer Affe mit weißen Haarbüscheln an den Ohren kam über die Wiese
und fragte: "Was machst du denn da?"
"Ich möchte gern hier in die Schule gehen", sagte das Nilpferdkind.
"Bitte!"
Der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den Ohren wiegte den Kopf
hin und her. Nach einer Weile brummte er: "Na schön. Wir wollen es
versuchen. Setz dich zu den anderen!"
Das Nilpferdkind nahm einen Anlauf und donnerte auf den Baum zu, dass die
Erde bebte, aber sosehr es die dicken Beine auch in die Höhe riss, es
schaffte nur einen ganz kleinen Hopser. Auch beim zweiten, dritten, selbst
beim siebenten und achten Mal wurde kein Sprung aus dem Hopser. Die Affen
schüttelten sich vor Lachen.
"Nicht einmal auf den Baum springen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen. Da rief ein Affe: "Wir können es
hochziehen!"
Die Affen schleppten Lianen heran und wickelten das Nilpferdkind darin
ein. Dann sprangen sie alle auf den Baum und schrieen: "Ho ruck!" Alle
bega nnen zu ziehen. Das Nilpferdkind versuchte, sich federleicht zu denken.
Es spürte tatsächlich, wie es hoch gehoben wurde, aber dann ... wurde mit
einemmal der ganze Baum nach unten gebogen.
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Plötzlich rissen die
Lianen, und das Nilpferdkind lag auf dem Boden und die Affen fielen vom
Baum - auf das Nilpferdkind drauf. Es gab ein Geschrei und ein Gekreische
und ein Geschnatter, als jeder versuchte, seine Arme und Beine aus dem
Gewirr herauszuziehen.
"Nein, nein, nein!" schimpfte der große Affe mit den weißen Haarbüscheln
an den Ohren. "So geht das nicht! Setzt euch alle im Kreis unter dem
Baum!"
Die Affen und das Nilpferdkind setzten sich.
"Das soll ein Kreis sein?" Der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an
den Ohren schüttelte den Kopf, dann erklärte er: "Wir üben nun das
Läusleinsuchen."
Jeder Affe suchte seinen Nachbarn nach Läusen ab. Alle Affen konnten das
sehr gut. Nur das Nilpferdkind hatte Schwierigkeiten. Stampferbeine sind
zum Läusleinsuchen gar nicht geeignet. Die Affen schüttelten sich vor
Lachen.
"Nicht einmal Läusleinsuchen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen. Der große Affe mit den weißen
Haarbüscheln an den Ohren seufzte: "Also gut, wir üben jetzt
Bockspringen!"
Die Affen stellten sich in einer Reihe auf, legten die Hände auf den
Boden, reckten den Po in die Höhe, und der letzte in der Reihe spran g über
die anderen und stellte sich dann vorne hin. Das ging so lange gut, bis
das Nilpferdkind an der Reihe war. Es landete mit seinem ganzen
Nilpferdgewicht auf dem ersten Affen. Der sagte zuerst gar nichts und lag
nur platt gedrückt da, dann kreischte er umso lauter. Die anderen Affen
schüttelten sich vor Lachen.
"Nicht einmal Bockspringen kann der Dicke!" schnatterten sie.
Das Nilpferdkind ließ den Kopf hängen.
"Es geht einfach nicht", sagte der große Affe mit den weißen Haarbüscheln
an den Ohren. "Eine Affenschule ist wirklich nichts für Nilpferde. Das
musst du einsehen!"
Das Nilpferdkind konnte nichts sehen und nichts einsehen. Seine Augen
brannten und sein Hals kratzte. Plötzlich spürte es etwas Warmes,
Freundliches. Ein kleiner Affe war ihm auf den Kopf gesprungen und
flüsterte ihm etwas ins Ohr. Das Flüstern kitzelte so, dass das
Nilpferdkind kein Wort verstand.
Dann aber hörte es, wie der große Affe mit den weißen Haarbüscheln an den
Ohren sagte: "Du könntest unser Pausenkind sein. In den Pausen kannst du
mit den anderen Kindern spielen."
Das Nilpferdkind war nicht mehr sicher, ob es mit diesen Auslachaffen
spielen wollte, aber da hüpfte der kleine Affe auf seinem Rücken auf und
ab und brüllte: "Ich hab eine Idee! Wir spielen Zielwerfen!"
"Ja!" brüllten die Affen.
Das Nilpferdkind musste das Maul aufreißen und die Affen warfen Bananen
und andere Früchte hinein. Sie lachten laut dabei, aber es klang jetzt
anders als vorhin, und das Nilpferdkind konnte mitlachen. Dann spielten
sie Eisenbahn, und das Nilpferdkind war die Lokomotive, und dann
Weitspucken, und das Nilpferdkind gewann.
Die Nilpferdmutter fing schon an, sich Sorgen zum machen, als das
Nilpferdkind endlich nach Hause kam.
"Na? Bist du jetzt ein Schulkind?" fragte sie.
"Nein, aber ein Pausenkind!" sagte das Nilpferdkind und gähnte.
Die Nilpferdmutter gab ihm einen zärtlichen Schubs. "Und jetzt schnell in
den Schlamm! So sauber gehst du mir nicht ins Bett!"
Das Nilpferdkind wälzte sich einmal hin und einmal her. Für heute musste
das genügen.
"Und morgen gehe ich wieder in die Pause", dachte es.
ENDE |